Zöllner, Mofas und 50 Millionen – unsere erste Woche in Ouagadougou

Donnerstag, 11. August 2005 | von Jann Spiess, Marcus Bothe

Was für ein Gefühl: da steigt man abends um 8 in Ouagadougou aus dem Flugzeug aus und denkt, die Flugzeugdüse sei noch an. Aber die ist schon längst aus, der Eindruck kommt viel mehr von der heißen und schwülen Luft, die uns zur Begrüßung entgegenbläst. Es riecht nach Osterfeuer.
Vor einer Woche sind wir also angekommen in der Hauptstadt von Burkina Faso. Intensiv war die Vorbereitung, aber doch konnten wir uns nie so richtig vorstellen, wie es wirklich sein würde: Der Zöllner, der sich am Flughafen den Kofferinhalt voller Genugtuung gerne nochmal genau anschaut (“Eh – j’ai pas dit ’sortir’!”), die vielen unbekannten Menschen, die uns am Ausgang umströmen und die unverständlichen Wortfetzen, die unsere Ohren erreichen. Der unübersichtliche, hektische Verkehr, die staubigen und vom Regen ausgewaschenen Straßen und die Abgase von tausenden von Mofas, die fast rund um die Uhr die Straßen verstopfen. Und schließlich die Menschen, die fort freundlich grüßen, hilfsbereite Nachbarn, die gerne mal auf ein Glas Wasser vorbeikommen, und lange, fast schon ritualisierte Begrüßungsfloskeln, wenn man Bekannte trifft (“Ça va? Et la famille? La santé, ça va? Et les femmes? …”).
Aber das wohl eindrücklichste und schockierendste in unseren neuen Heimat sind die Armut und die Lebensbedingungen, unter denen viele leiden. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die extremen Unterschiede zwischen reich und arm, zwischen haben und nicht haben: auf der einen Seite der schicke Geschäftsmann, der in der Bank mal eben 50 Millionen CFA-Francs einzahlt (76.000 Euro, etwa 250 durchschnittliche Jahresgehälter), auf der anderen Seite der alte Mann, der am Straßenrand liegt und um Geld bettelt.
Eine Woche also voller eindrücklicher Erlebnisse, aber erst der Anfang eines vielversprechenden Jahres in Westafrika.

Kategorien: Ouagadougou

6 Kommentare to Zöllner, Mofas und 50 Millionen – unsere erste Woche in Ouagadougou

B.G.
12. August 2005

Ich wünsche euch einen wunderbaren Start in Afrika!

Eva
15. August 2005

Ohh, das scheint sehr spannend zu werden. Falls auch in Zukunft so nett geschriebene Erzählungen hier zu erwarten sind, seht ihr mich auf jeden Fall wieder :)
Lieben Gruß und alles Gute!

Ina
17. August 2005

Echt Jann!echt spannend,es ist als würde ich selbst ein Abenteuerroman lesen,wenn ich eure Berichte so durchlese.Bin echt schwer beeindruckt,macht weiter so!Liebe Grüße aus Deutschland,wo die meisten es nicht zu schätzen wissen,wie gut es ihnen hier geht…

Carsten Striepecke
18. August 2005

Super,
würde mich freuen, wenn hier demnächst wieder was zu lesen ist!
Euch wünsche ich trotz der vielen Mofas viel Spass dort.

Gruß Carsten

Diana
25. August 2005

Philip hat mich wieder auf den neusten Stand der Dinge gebracht…Geschichten aus Ouagadougou sind doch immer wieder spannend. Somit wünsche auch ich euch ein wunderschönes Jahr in Afrika, mit vielen Eindrücken und Erlebnissen, die ihr nie vergessen werdet. Herzlichste Grüsse aus Taipei/ Taiwan, was auch ein riesen Abenteuer ist.

[...] Im nächsten Moment öffnet sich die Schiebetür, schlägt uns schwül-heiße Luft entgegen, durchdrungen von beißendem Gestank: wie vom Flughafen Münchens auf das Rollfeld Ouagadougous. [...]

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