Längste SEWA-Mission aller Zeiten absolviert!

Donnerstag, 9. April 2009 | von Jan Sonntag

Insgesamt neun Tage waren wir zusammen mit unserem Mitarbeiter Yéral und den MicroSow-Technikern Dimaz, Basil und Hamidou im Norden Burkinas unterwegs und haben dabei in fünf Schulen Solaranlagen installiert.

Es war nicht nur die längste Reise für uns beide, sondern auch die längste SEWA-Mission überhaupt: Neun Tage lang waren wir in der Provinz Soum unterwegs. In der Hauptstadt der Provinz, Djibo, hatten wir uns eine Art “Basislager” errichtet. Dort konnten wir bei Verwandten von Yéral übernachten und praktischerweise auch unser Material für die Solaranlagen zwsichenlagern. Von Djibo aus starteten wir dann unsere Touren in die Dörfer, in denen wir Schulen elektrifizieren wollten. Wir begannen in dem Dorf Firguindi, das nur 7 km von Djibo entfernt liegt. Die Techniker arbeiteten sehr konzentriert und hatten so schon am Abend die zwei Klassenräume elektrifiziert. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Bouro, dazu mussten wir etwa 40 km Richtung Norden fahren. Für diese Fahrt auf einer eher schlechten Sandpiste brauchten wir etwa zwei Stunden. Daher konnten die Techniker die Installation der Solaranlage hier erst am nächsten Vormittag abschließen. Von Bouro ging es weiter in das 8 km entfernte Nachbardorf Nassoumbou. Auch in Nassoumbou verbrachten wir eine Nacht und am nächsten Tag machten wir uns gegen Mittag wieder auf den Weg nach Djibo. Nun fehlten nur noch die Schulen von Pougouzaibaogo und Noufoundou. Dort war aber jeweils nur eine Elektrifizierung von einem Klassenraum vorgesehen und dies konnte in “Tagesausflügen” erledigt werden. Ganz am Ende dieses Blogartikels ist unsere Reiseroute auf einer Karte eingezeichnet.

Die drei Techniker von MicroSow kann man für ihre Leistung auf dieser Reise eigentlich nur bewundern. Der März ist schon fast der heißeste Monat des Jahres, aber trotz 45 Grad im Schatten arbeiteten die drei jeden Tag routiniert und präzise von morgens bis abends. Wir gingen ihnen so gut es ging zur Hand, indem wir z.B. auch mal eine Lampenfassung installierten, das Gerüst aufbauten oder halfen, die Rahmen für die Paneele zu befestigen. Gerade auf dem Dach war die Arbeit besonders schweißtreibend, denn auf dem Alublech stellt sich in der prallen Sonne schnell das Gefühl ein in einer Bratpfanne zu stehen.
Aber auch für das SEWA-Team gab es genug zu tun: Wir photographierten und filmten nicht nur, um später eine Dokumentation des Projekts zu erstellen, sondern wir baten auch in jeder Schule alle Lehrer und Mitglieder der Elternorganisation zu einem Treffen, bei dem wir sie an die bereits getroffenen Vereinbarungen zur Wartung und Benutzung der Solaranlage erinnerten. In dieser Versammlung und auch in vielen Gesprächen versuchten wir die Schulgemeinschaft bestmöglich auf die Verantwortung, die sie für die Solaranlage übernehmen, vorzubereiten. Wir erklärten ihnen z.B., dass sie im Falle eines Defekts auf keinen Fall einen unqualifizierten Techniker aus dem Dorf an der teuren Solaranlageherumbasteln lassen dürfen, sondern lieber als erstes uns kontaktieren sollen. Wir zeigten ihnen, wie man das Photovoltaikpaneel waschen muss, vorsichtig ohne Seife und mit viel Wasser, damit es nicht zerkratzt. Und um ihnen Ideen für die Nutzung der solaren Installation zu geben, erzählten wir ihnen, wie in anderen Schulen nicht nur die Schüler abends lernen, sondern auch Alphabetisierungskurse für Erwachsene angeboten werden oder gelegentlich die beleuchteten Räume für Hochzeiten vermietet werden, um Geld für die Wartungskasse einzunehmen.

Wir hatten uns entschieden, dass wir das Leben auf einem burkinischen Dorf noch einmal intensiver kennen lernen wollten, und hatten uns daher gegen Ende der Reise einen Kurzaufenthalt auf zwei Dörfern organisiert: Jan blieb nach der Elektrifizierung noch zwei Nächte in Pougouzaibaogo, Nils verbrachte einige Zeit in Noufoundou. Nicht nur für uns war es eine spannende Erfahrung, das Dorfleben noch einmal ganz anders kennen zu lernen, auch die Menschen in Pougouzaibaogo und Noufoundou zeigten viel Interesse an uns, auch wenn wir des öfteren an sprachliche Grenzen stießen. Französisch wird auf dem Land kaum verstanden und unser Mooré und Fulfuldé ist eher unzureichend. Dennoch fand ein sehr interessanter Austausch statt und wir konnten noch ein völlig neuen Blick auf das Leben in Burkina werfen.
Wir erlebten, dass man zu den Menschen im Dorf auf eine ganz andere Art Beziehungen aufbaut, wenn man für einige Tage mit ihnen zusammen lebt und nicht nur mit einem Team für die Elektrifizierung der Schule gekommen ist. Wir lernten, was es bedeutet, dass es z.B. in einem Dorf für 2 500 Menschen nur einen einzigen Brunnen gibt. Und nicht zu letzt war unser Aufenthalt auch für den Erfolg des Elektrifizierungsprojekts sehr hilfreich, da wir einfach viel mehr Zeit hatten, mit der Schulgemeinschaft über die neu installierte Solaranlage zu reden und evt. erst später auftauchende Fragen zu beantworten. Außerdem wurde die Beziehung der Verantwortlichen vor Ort zu SEWA sicherlich noch einmal gestärkt, dadurch dass sie von der rein “geschäftlichen” Verbindung auf eine persönliche Verbindung ausgeweitet wurde.

Am letzen Tag unserer Reise wurden wir noch mit einem ganz besonderen Spektakel belohnt: In Djibo fand ein Dohi-Festival statt. Dohi ist die traditionelle Musik des Peulh-Volkes und ist unmöglich mit Worten zu beschreiben. Zu dem Festival versammelten sich aber nicht nur verschiedene Peulh-Gruppen, sondern auch Touareg, die mit beeindruckenden Tänzen brillierten. Auch wenn wir dem eigentlichen Wettbewerb der Gruppen leider nicht mehr folgen konnten, war es doch ein interessanter Einblick in die Kultur der Volksstämme im Norden Burkinas, die wir noch kaum kennen.

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