Geschichte einer Straße

Montag, 20. Juli 2009 | von Jan Sonntag

In unserem Viertel Somgandé gibt es “die große Straße” (“la grande voie”), die von der Teerstraße Richtung Kaya ins Herz des Viertels, dem Markt, führt. An ihr liegen neben unserer Apotheke auch die Bäckerei, vor der es ständig nach frischem Baguette duftet. Diese Straße hat in den elf Monaten, die wir nun hier sind, derart häufig das Gesicht gewechselt, dass uns das einen Blogeintrag wert ist.

Ganz zu Beginn unserer Zeit wurde die Sandpiste frisch planiert, sodass sie richtig eben und dadurch sehr gut und zügig befahrbar war. Zu zügig befahrbar, fanden die Anwohner, die sich vom aufgewirbelten Staub der vorbeirauschenden Autos verständlicher Weise gestört fühlten. Sie halfen sich selbst und bauten so genannte “gendarmes couchés” (liegende Polizisten), kleine Schwellen, die Fahrzeuge zum Bremsen zwingen.
Das wiederum schien jemand anderem (vielleicht den reicheren Bewohnern des Viertels mit ihren schönen Autos?) nicht zu gefallen, denn nur wenige Wochen später wurde die Strasse erneut planiert. So konnten die Geländewägen wieder mit Tempo 70 durchs Viertel jagen.

Damit gaben sich die Anwohner aber nicht zufrieden, schließlich spielen am Straßenrand ja auch Kinder. Also verteilten sie auf der ganzen Piste fußballgroße Steine und Mauerreste, was die Straße für Autos quasi unpassierbar machte und alle Fahrad- und Mofafahrer zu einem Slalom-Parcours einlud (Bild). Wenige Tage später war die Piste wieder geräumt.

Doch die Anwohner ließen sich nicht unterkriegen und bauten die höchsten “gendarmes couchés” die Ouagadougou je gesehen hatte. Eigentlich konnte man nicht mehr von “liegenden Polizisten” reden, die standen nämlich ziemlich aufrecht mit einer Höhe von etwa 60cm. Sogar die Eselskarren scheiterten an ihnen. Die Strasse gab ein lustiges Bild ab: Alle 50 Meter sah man ein Auto oder einen Eselskarren, der sich mühte, über einen der Geschwindigkeitshügel drüber zu kommen.

Nun scheint das letzte Kapitel dieser Geschichte geschrieben zu worden. Seit einigen Wochen ist die Straße vollständig asphaltiert. Der “nouveau goudron” (die “neue Teerstraße”) ist sogar mit Straßenmarkierungen ausgestatet und zählt damit zu den besten der Stadt! Und so manch einer im Viertel munkelt, dass das etwas damit zu tun haben könnte, dass am Ende der Straße die Tochter des Präsidenten wohnt …

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Kategorien: Fotos, Notizen, Ouagadougou

4 Kommentare to Geschichte einer Straße

Sebastian
21. Juli 2009

Wunderbar!

Helge
21. Juli 2009

..was mich auf die Idee bringt, euch wieder mal an Openstreetmap zu erinnern. Seit Oktober (damals gab war Ouaga leer) ist echt viel passiert: Die OSM ist jetzt die beste Straßenkarte Ouagas die je existierte!

Siehe http://tr.im/tm1c

Zeichnet doch bitte mit!

Jan Sonntag
22. Juli 2009

Hallo Helge,

du ermahnst uns zu unrecht: wir haben in Burkina fleissig Karte gezeichnet! Wir haben nicht nur Djibo und die Strasse dorthin auf die Landkarte gebracht, sondern zum Beispiel auch die Strasse nach Gaoua. Hier in Ouaga ist zur Zeit sehr viel im entstehen, was auf den alten Sattelitenbildern aber leider noch nicht zu erkennen ist.

Helge
12. August 2009

@Jan: Ah, wusste ich nicht. Cool! Wichig ist auch, ein paar Locals OSM zu zeigen, damit sich das auch lokal verbreitet.

Sobald die wichtigsten Änderungen in Ouaga (die auf den Satellitenbildern nicht zu sehen sind, also zb. die neuen Überführungen an den großen Kreuzungen) auf der Karte zu finden sind, können wir drüber nachdenken, ein druckfähiges PDF zu produzieren und das lokalen Druckereien zu schenken, damit die die Karte in Papierform unter die Leute bringen.

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