Essen in Ouaga – Serienabschluss
Freitag, 24. Juli 2009 | von Jan Sonntag
Um unseren Blog nicht zu nahrhaft werden zu lassen stellten wir unsere Reihe “Essen in Ouaga” im November 2008 ein. Nun, kurz vor Ende unseres Dienstes, wollen wir unseren Lesern aber nicht mehr vorenthalten, wovon wir uns ein Jahr lang ernährten, und einen Blick in die Töpfe der “bonnes femmes” werfen.
Atiéké
Atiéké ist eines unserer absoluten Lieblingsgerichte und kommt eigentlich aus Côte d’Ivoire. Inzwischen wird der Maniok-Couscous, wie man Atiéké beschreiben könnte, aber auch in Burkina an jeder Straßenecke verkauft, was vor allem auf die vielen burkinischen Landarbeiter zurückzuführen ist, die in Côte d’Ivoire lebten und dann während der dortigen Krise zurückkehrten.
Atiéké ist ab 15 Cent zu bekommen, dazu gibt es meist frittierten Fisch (je nach Größe des Stücks 7 bis 35 Cent).
Benga
“Benga” ist Mooré und bedeutet auf Deutsch ganz einfach Bohnen, was das Gericht auch sehr gut beschreibt. Die Mischung aus Reis und Bohnen, die meist nur mit Öl, Salz und – mit ein wenig Glück – mit ein paar Zwiebeln gegessen wird, ist die billigste Möglichkeit sich in Ouaga zu ernähren und erfreut sich daher großer Beliebtheit. Benga ist äußerst sättigend und nahrhaft und wird morgens, mittags und abends gegessen. Unter den ADAlern gilt es als eines der gefährlichsten Gerichte, das schon so manch einem eine Woche im Krankenhaus bescherte. Wir hatten noch keine nennenswerten Probleme damit und essen Benga gern zu Mittag, auch wenn es aufgrund des vielen Öls einen Mittagsschlaf fast obligatorisch macht.
Reis mit Soße
Ohne riz sauce ist eine burkinische Speisekarte nicht komplett. Wählen kann man meist zwischen Tomaten und Erdnusssosße, wobei die Qualität oft sehr unterschiedlich ausfällt, je nach dem ob man seinen Reis lieber im Restaurant (80Cent) oder auf der Straße (15 Cent) kauft. Wie Benga ist der Straßenreis das Essen der einfachen Leute, da er sehr günstig und sehr sättigend ist. In den letzten Jahren ist der Reispreis aber wie der aller Lebensmittelpreise sehr gestiegen. Für das gleiche Geld bekommt man nun weniger auf den Teller als früher. Daher fordern viele Politiker, wieder mehr Reis in Burkina anzubauen und unabhängiger von Importen aus Asien zu werden.
Riz au gras
“Riz au gras” – kurz “riz gras” genannt – ist Reis, der bereits in der Sosse gekocht wird und sehr lecker sein kann. Ebenso wie riz sauce darf er auf keiner Speisekarte fehlen und wird bei fast jedem festlichen Anlass aufgetischt. Dabei hat jeder sein eigenes Rezept, weshalb kein riz gras dem anderen gleicht. Je nach Jahreszeit findet man auch unterschiedliches Gemüse auf dem Teller: mal mehr Igname, mal Karotten, mal mehr Kohl. Abwechslung garantiert!
Tô
Das westafrikanische “Regionalgericht” gibt es in ganz unterschiedlichen Formen und Farben und kann aus diverse Hirsesorten, Mais, Igname oder Bananen hergestellt werden. Vor allem in den ländlichen Gebieten ernährt sich die Bevölkerung hauptsächlich von Tô, weshalb wir das Gericht auch bevorzugt während unserer SEWA-Reisen gegessen haben. Tô sind Knödel-ähnliche Fladen, die im besten Fall nach nichts schmecken und meist mit Blätter- oder Gombosoßen gegessen werden. Vor allem der Anblick der schleimigen Gombo-Sausse (Gombo ist vermutlich besser als Okkra bekannt) ist für den durchschnittlichen Europäer etwas gewöhnungsbedürftig, da sie beim Verzehr oft Schleimfäden bildet. Es gibt aber eine noch schleimigere Soße, Capoc, deren Konsistenz an rohes Ei erinnert und mehr Fäden zieht als geschmolzener Käse.
Getränke
Neben Wasser, Bier und den Erfrischungsgetränken eines namenhaften amerikanischen Großkonzerns gibt es in Burkina eine reihe leckerer einheimischer Getränke, die es überall an der Straße in kleinen Plastiktüten zu kaufen gibt:
Bissab wird aus Hibiskusblüten hergestellt und ist sehr süß und erfrischend
Ingwersaft ist scharf, gesund, lecker und wird auch oft mit Bissap gemischt.
Somkom ist Wasser mit Hirsemehl, das jedem Gast serviert wird, besonders auf dem Dorf.
Tédo wird aus der Baobabfrucht hergestellt und schmeckt ein wenig wie Erdbeershake.
Ochata sieht aus wie Milch und wird aus Kichererbsen gemacht. Sehr lecker, sehr erfrischend.
Dolo ist Hirsebier und eigentlich nur auf dem Dorf erhältlich. Dort dafür sehr billig und in großen Kanistern.

2 Kommentare to Essen in Ouaga – Serienabschluss
Da konnte sogar ich noch was über die Getränke lernen
… all diese Speisen lassen sich auch hervorragend auf den Solarkochern zubereiten.
In Deutschland kann man fast all diese Gerichte nachkochen. Nur beim Atiéké und Getränken wie Dolo tut man sich schwer. Und für den Tô muss man die richtige Marke für das Maismehl kennen.
Schöne Zusammenstellung!
Einen Kommentar hinterlassen
Jan und Nils sammeln heute den 581. Tag Afrika - Erfahrung
Search
Neue Einträge per E-Mail erhalten
Tags
Letzte Kommentare
Community für Freiwillige
Kategorien
Letzte Artikel
Archiv
- Januar 2010
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
- August 2007
- Juli 2007
- Juni 2007
- Mai 2007
- April 2007
- März 2007
- Februar 2007
- Januar 2007
- Dezember 2006
- November 2006
- Oktober 2006
- September 2006
- August 2006
- Juli 2006
- Juni 2006
- Mai 2006
- April 2006
- März 2006
- Februar 2006
- Januar 2006
- Dezember 2005
- November 2005
- Oktober 2005
- September 2005
- August 2005


2. August 2009