Von toller Milch und technischen Mätzchen…
Samstag, 26. Mai 2007 | von Malte Viefhues
Unser Buschfunk ist wieder auf Radio France International umgestellt, der treue Kleinbus erholt sich von den Strapazen und der erschöpfte Solar-Zivi kümmert sich um die Berichterstattung, zu der natürlich auch ein informativer Blog-Eintrag zählt:
Wie schon angekündigt ging es diesmal für das Team in den Osten Burkina Fasos, der als eine der problematischsten Regionen des Landes gilt. Im Zeitraum Anfang 2004 bis Mitte 2005 wurden in dieser Gegend sieben Grundschulen durch SEWA elektrifiziert. Ähnlich unserer Nord-Reise im letzten Oktober erwartete uns also ein regelrechter Nachbesuchs-Marathon, der wieder unter der Frage stand: Wer nutzt wie und wann die Anlage? In den obgligatorischen Gesprächen mit Schulleitern, Lehrern und Schülern erfuhren wir gleich allerlei Dinge…
- Auch Techniker wissen nicht immer, was sie tun: Gleich zweimal war den Schulleitern fälschlicherweise von dorfeigenen Technikern geraten worden, ihre Batterien mit Batteriesäure aufzufüllen, wo eigentlich destilliertes Wasser vonnöten gewesen wäre. Glücklicherweise überlebten beide Akkus die Tortur und wurden dann von uns wieder fachgerecht aufgefüllt, auf dass sie noch einige Jahre halten mögen.
- Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel: Um ihren Schülern interessante TV-Dokumentationen zeigen zu können, wurde an zwei Schulen ein 12V-S/W-Fernseher angeschlossen. Der Haken an der Sache: Die Solarinstallationen sind sehr passgenau dimensioniert, zusätzliche Verbraucher verkraftet das System nur schwerlich, die Batterie verschleißt unter der großen Last deutlich schneller. Dieser Umstand musste den Schulleitern erst erklärt werden, die sich schon darüber wunderten, dass die Anlage abends nur noch zwei Stunden Licht brachte.
- Unsere Installationen helfen immer, im Osten wie im Norden: Gleich mehrere Schulleiter nutzten das Licht, um ihre Schüler in der heißen Phase vor den Abschlusstests zu “internieren”. Während dieser zwei bis drei Wochen können sie dann in Ruhe in der Schule lernen, werden dabei verköstigt und schlafen auch gleich im Gebäude. So stieg in fast allen Schulen die Abschlussquote seit der Installation auf traumhafte 100% – jedes Kind erreichte seinen Grundschulabschluss! Für die Dörfer, die abgelegen im Hinterland liegen und vom (langsamen) Fortschritt des Landes nichts mitbekommen, ist dies oft der einzige Lichtblick in die Zukunft.
- Die Region um Fada N’Gourma ist nicht umsonst die Milch-Hochburg Burkinas: Frische Milch von freilaufenden Kühen gibt es in dieser Qualität weder in Ouagadougou noch im deutschen Supermarkt!
SEWA-Projekte helfen, so viel ist sicher – nun wieder einmal schriftlich belegt. Aber auch die regelmäßigen Nachbesuche, die im Schulenprojekt durchgeführt werden, sind wichtig. Viele Schulleiter sind nachträglich an die elektrifizierten Schulen versetzt worden und kennen sich mit der Wartung der Anlage nicht mehr so gut aus, wie ihre Vorgänger. An diesem Punkt kommen neuerdings unsere schönen Wartungsschilder zum Einsatz: Das Know-How wird fest neben der Anlage installiert – keine Chance für Probleme beim Rektorwechsel!
So schlossen wir auch diese Mission wieder erfolgreich ab – diesmal mit einem kleinen Milchbart um den lächelnden Mund.
(Wer jetzt den Milchbart gesucht hat: wir haben den vorher abgewischt!)
5 Kommentare to Von toller Milch und technischen Mätzchen…
Hat die Milch bei euch auch fast wie Pudding geschmeckt? Ich erinnere mich an eine Milch in Burkina, die einfach der Hammer war!
ein tolles blog habt ihr! Ihr werdet gleich auf mein blogroll gesetzt.
danke!
p.s.: nur 31°C *bibber*
4. Juni 2007
Ihr macht so tolle Sachen! Wenn ich euch vergleiche mit manchen Leuten eures Alters hier, die überwiegend mit sich und ihren Bedürfnissen beschäftigt sind und kaum einen Blick über den (Milch)Tellerrand werfen – dann Hut ab vor euch beiden! Ihr habt schon richtig viel Gutes bewirkt.
2. Juli 2007
Hatte tatsächlich nach dem Milchbart gesucht…kennst mich eben zu gut ; )
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