Gott zur Ehr’, dem Nächsten zur Wehr

Mittwoch, 20. Juni 2007 | von Malte Viefhues

Der heilige Sankt FlorianSankt Florian. Er hält laut verbreitetem Volksglauben seine schützende Hand nicht nur über die Bürger und ihr Hab und Gut, sondern auch über alle Feuerwehrleute. Das er dabei anscheinend an den Grenzen des Abendlandes Halt macht, musste ich bei einem Besuch der hiesigen Berufsfeuerwehr feststellen:

Die Kameraden sind mit nur vier Krankenwagen ausgestattet, die jeden Monat zu über 500 Verkehrsunfällen ausrücken müssen. Für die Brandbekämpfung stehen in der Hauptfeuerwache drei Fahrzeuge zur Verfügung, von denen eines nur noch als großer Wasserspeicher fungiert – denn in Ouagadougou gibt es so gut wie keine öffentlichen Hydranten. Der zweite Wagen ist zwar in gutem Zustand und recht modern ausgestattet, kann aber als französisches Fabrikat mit dem dritten, einem japanischen Löschfahrzeug, nicht zusammen eingesetzt werden – es existieren keine Adapter für die unterschiedlichen Kupplungssysteme. Weitere vorhandene Gerätschaften sind fast alle defekt: im trocken-heißen Klima einmal liegengeblieben, finden sich für die ausländischen Wagen (fast alle Fahrzeuge sind Spenden) kaum Ersatzteile.

Ein Teil des Fuhrparks in Ouagadougou - nur die zwei rechten Fahrzeuge sind funktionsfähig.Beschriftungen und Anschlüsse am Wagen - leider nur auf Japanisch

Noch desolater ist die Lage bei den Feuerwehrleuten selbst. Ist in Deutschland jeder Kamerad im Gefahrenbereich mit schwerem Atemschutz gegen den giftigen Rauch ausgestattet, sind diese Geräte in Burkina unbekannt. Auch von der deutschen Sicherheitskleidung können die Burkinabè nur träumen: einige zerschlissene Lederjacken und Helme ohne Verschlussmechanismus sind alles, was auf den Fahrzeugen zur Verfügung steht – natürlich nie für die ganze Mannschaft.

Schutzkleidung in OuagaMalte mit dem Kommandeur der Feuerwehr Ouagadougou und dem Schichtleiter

Auf den anderen Feuerwachen sieht es nicht besser aus – auch wenn sich jede Stadt, die eine Wache hat, glücklich schätzen kann: es gibt derer nämlich nur fünf in ganz Burkina. Östlich von Ouagadougou – in einem Gebiet so groß wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zusammengenommen – gibt es sogar gar keine Feuerwehren. Hier muss die Hilfe aus Ouaga anrücken, sollte es zum Großschadensfall kommen.

Wappen der Stadt SchüttorfSchüttorf, deutsche Kleinstadt mit etwa 12.000 Einwohnern, verfügt über eine Feuerwache mit etwa 65 aktiven Feuerwehrleuten und 12 Fahrzeugen. Die Freiwillige Feuerwehr Schüttorf rückte 2006 zu 65 Einsätzen aus.

Wappen der Stadt OuagadougouOuagadougou, burkinische Metropole mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern, verfügt über drei Feuerwachen mit etwa 200 aktiven Feuerwehrleuten und ca. 15 (funktionierenden) Fahrzeugen. Die “Brigade Nationale de Sapeurs Pompiers de Ouagadougou” rückte 2006 zu 12.576 Einsätzen aus. Ohne Sankt Florian.

Kategorien: Notizen

3 Kommentare to Gott zur Ehr’, dem Nächsten zur Wehr

Sebastian
24. Juni 2007

Gratulation! Sehr gut recherchierter und schöner Artikel!

B.G.
24. Juni 2007

finde ich auch! gleich mal verlinkt:
http://ben.aureli.us/feuerwehr-schuettorf-vs-ouagadougou/

JFW schmölln
6. Februar 2009

Hallo ich habe disen artikel gelesen ich Finde es Gut das so zu lesen
er hat aber noch ein andern spruch
“Helfen in Not is unser Gebot”

Möge Sankt Flohrian Für immer Die Feuerwehrn schützen !
den was alle Kammeraden sich tag für tag an Gefärlichen Dingen Stellen ist manschmal erstaunlich

Einen Kommentar hinterlassen

Search

Neue Einträge per E-Mail erhalten

Zugestellt von FeedBurner

Community für Freiwillige

Community für internationale Freiwilige

Proudly hosted by

provider Profihost