Essen wie bei Muttern
Große Abschiedsparty im Zivi-Haus
Montag, 17. August 2009 | Nils Goldbeck | Keine Kommentare
Vergangenen Samstag fand unsere große Abschiedsfeier statt. Wir hatten alle Kollegen und Freunde eingeladen, mit uns einen fröhlichen Abend im Zivi-Haus zu verbringen und noch ein letztes Mal die gemeinsam verbrachte Zeit zu feiern.
Um unsere Gäste auch dem Anlass angemessen bewirten zu können, karrten wir viele Kästen Cola, Fanta, Tonic und Bier an. Außerdem gab es auch lokale Getränke wie Bissap und Somkom. Um die Getränke zu kühlen, holte unser Kollege Hamidou mit dem Mofa große Eisblöcke. Unsere Freundin Kady half uns beim Großeinkauf auf dem Markt und beim Zubereiten von Salaten, wozu wir bei den Mengen unsere riesigen Waschbottiche benutzten. Außerdem bestellten wir bei unserem Lieblingsrestaurant – beim Spaghettimann – je 20 Portionen Riz gras und Spaghetti mit Tomatensauce. Dazu noch fünf gegrillte Hühnchen.
Für den Abend hatten wir uns extra noch traditionelle westafrikanische Festgewänder gekauft, sog. Boubous, womit wir beim Begrüßen der Gäste viel Aufsehen erregten. Wir freuten uns, dass so viele Freunde, die teilweise recht weit weg wohnen, kamen um sich von uns zu verabschieden. So wurde es recht voll im Zivi-Haus, aber die Stimmung war richtig gut. Nach dem Essen wurde bald die Tanzfläche eröffnet und bis in den frühen Morgen wurde noch getanzt, gefeiert oder gemütlich bei einem Bier geredet.
Essen in Ouaga – Serienabschluss
Freitag, 24. Juli 2009 | Jan Sonntag | 2 Kommentare
Um unseren Blog nicht zu nahrhaft werden zu lassen stellten wir unsere Reihe “Essen in Ouaga” im November 2008 ein. Nun, kurz vor Ende unseres Dienstes, wollen wir unseren Lesern aber nicht mehr vorenthalten, wovon wir uns ein Jahr lang ernährten, und einen Blick in die Töpfe der “bonnes femmes” werfen.
Atiéké
Atiéké ist eines unserer absoluten Lieblingsgerichte und kommt eigentlich aus Côte d’Ivoire. Inzwischen wird der Maniok-Couscous, wie man Atiéké beschreiben könnte, aber auch in Burkina an jeder Straßenecke verkauft, was vor allem auf die vielen burkinischen Landarbeiter zurückzuführen ist, die in Côte d’Ivoire lebten und dann während der dortigen Krise zurückkehrten.
Atiéké ist ab 15 Cent zu bekommen, dazu gibt es meist frittierten Fisch (je nach Größe des Stücks 7 bis 35 Cent).
Benga
“Benga” ist Mooré und bedeutet auf Deutsch ganz einfach Bohnen, was das Gericht auch sehr gut beschreibt. Die Mischung aus Reis und Bohnen, die meist nur mit Öl, Salz und – mit ein wenig Glück – mit ein paar Zwiebeln gegessen wird, ist die billigste Möglichkeit sich in Ouaga zu ernähren und erfreut sich daher großer Beliebtheit. Benga ist äußerst sättigend und nahrhaft und wird morgens, mittags und abends gegessen. Unter den ADAlern gilt es als eines der gefährlichsten Gerichte, das schon so manch einem eine Woche im Krankenhaus bescherte. Wir hatten noch keine nennenswerten Probleme damit und essen Benga gern zu Mittag, auch wenn es aufgrund des vielen Öls einen Mittagsschlaf fast obligatorisch macht.
Reis mit Soße
Ohne riz sauce ist eine burkinische Speisekarte nicht komplett. Wählen kann man meist zwischen Tomaten und Erdnusssosße, wobei die Qualität oft sehr unterschiedlich ausfällt, je nach dem ob man seinen Reis lieber im Restaurant (80Cent) oder auf der Straße (15 Cent) kauft. Wie Benga ist der Straßenreis das Essen der einfachen Leute, da er sehr günstig und sehr sättigend ist. In den letzten Jahren ist der Reispreis aber wie der aller Lebensmittelpreise sehr gestiegen. Für das gleiche Geld bekommt man nun weniger auf den Teller als früher. Daher fordern viele Politiker, wieder mehr Reis in Burkina anzubauen und unabhängiger von Importen aus Asien zu werden.
Riz au gras
“Riz au gras” – kurz “riz gras” genannt – ist Reis, der bereits in der Sosse gekocht wird und sehr lecker sein kann. Ebenso wie riz sauce darf er auf keiner Speisekarte fehlen und wird bei fast jedem festlichen Anlass aufgetischt. Dabei hat jeder sein eigenes Rezept, weshalb kein riz gras dem anderen gleicht. Je nach Jahreszeit findet man auch unterschiedliches Gemüse auf dem Teller: mal mehr Igname, mal Karotten, mal mehr Kohl. Abwechslung garantiert!
Tô
Das westafrikanische “Regionalgericht” gibt es in ganz unterschiedlichen Formen und Farben und kann aus diverse Hirsesorten, Mais, Igname oder Bananen hergestellt werden. Vor allem in den ländlichen Gebieten ernährt sich die Bevölkerung hauptsächlich von Tô, weshalb wir das Gericht auch bevorzugt während unserer SEWA-Reisen gegessen haben. Tô sind Knödel-ähnliche Fladen, die im besten Fall nach nichts schmecken und meist mit Blätter- oder Gombosoßen gegessen werden. Vor allem der Anblick der schleimigen Gombo-Sausse (Gombo ist vermutlich besser als Okkra bekannt) ist für den durchschnittlichen Europäer etwas gewöhnungsbedürftig, da sie beim Verzehr oft Schleimfäden bildet. Es gibt aber eine noch schleimigere Soße, Capoc, deren Konsistenz an rohes Ei erinnert und mehr Fäden zieht als geschmolzener Käse.
Getränke
Neben Wasser, Bier und den Erfrischungsgetränken eines namenhaften amerikanischen Großkonzerns gibt es in Burkina eine reihe leckerer einheimischer Getränke, die es überall an der Straße in kleinen Plastiktüten zu kaufen gibt:
Bissab wird aus Hibiskusblüten hergestellt und ist sehr süß und erfrischend
Ingwersaft ist scharf, gesund, lecker und wird auch oft mit Bissap gemischt.
Somkom ist Wasser mit Hirsemehl, das jedem Gast serviert wird, besonders auf dem Dorf.
Tédo wird aus der Baobabfrucht hergestellt und schmeckt ein wenig wie Erdbeershake.
Ochata sieht aus wie Milch und wird aus Kichererbsen gemacht. Sehr lecker, sehr erfrischend.
Dolo ist Hirsebier und eigentlich nur auf dem Dorf erhältlich. Dort dafür sehr billig und in großen Kanistern.

Manche mögens heiß
Montag, 18. Mai 2009 | Jan Sonntag | 1 Kommentar
Um das Schulen- und das Krankenstationsprogramm auf weitere Provinzen Burkinas auszudehnen, unternahmen wir eine dreitägige Reise nach Dori, der Hauptstadt der Région du Sahel – mitten in der heißesten Zeit des Jahres.
Nachdem wir in einigen Provinzen bereits einen sehr guten Kontakt mit den Behörden pflegen, wollten wir auf dieser Reise die Schul- und Gesundheitsbehörden der Sahel-Provinzen treffen, in denen wir bisher noch nicht mit Projekten vertreten sind.
In jeder Provinz gibt es eine Schuldirektion, die der Direktion der Region unterstellt ist, die widerum dem Ministerium untersteht. Wir hatten das Glück bei unserem Besuch der Regionaldirektion gleich zu einem Treffen aller vier Provinzdirektoren und dem Regionaldirektor eingeladen zu werden, sodass wir unsere Organisation und die Projekte gleich in großer Runde vorstellen konnten. Ein guter Kontakt zu den Behörden hat für SEWA den Vorteil, einfacher mit den Schulen kommunizieren zu können, da die Schulen uns z.B. ihre Jahresberichte über die Schuldirektionen zukommen lassen können. Die Direktoren waren über die Unterstützung durch unsere Projekte natürlich sehr erfreut und sagten uns ihre Hilfe bei der Durchführung zu.
Die übrige Zeit verbrachten wir damit Schulen zu besuchen um dort zu erklären, wie sie von einer Installation profitieren können. Die Gegend um Dori gehört wie fast die gesamte Sahelregion zu den den ärmsten Burkinas, weshalb sich SEWA hier nun verstärkt engagieren will. Jetzt hoffen wir auf Bewerbungen von Schulen aus der Region, damit wir – sobald wir für die Projekte einen Spender gefunden haben – die Schulen mit Solaranlagen ausstatten können.
Eines der Dörfer, das wir besuchten, ist Bani, das weniger für seine große Grundschule als für seine Moscheen bekannt ist. Denn in dem Dorf stehen neun Moscheen, die alle nicht nach Mekka ausgerichet sind. So nutzten wir die Zeit nach dem Treffen mit der Schulgemeinschaft, um trotz der Hitze ein wenig durch das Dorf zu laufen und uns die beeindruckenden Moscheen aus Lehmziegeln anzusehen. Zum Glück haben wir uns an das burkinische Klima schon ganz gut gewöhnt und auch die 45° im heißen Norden machen uns nicht mehr allzu viel aus. Als wir uns jedoch später in dem Maquis (Restaurant / Café) des Dorfes erfrischen wollten, konnte man dort nichts als Bier bestellen! Weder Cola, noch einfaches Wasser wurde angeboten. In einem Dorf, in dem neun Moscheen stehen, staunten wir hierüber nicht schlecht!
Auf der Heimreise hat unser treues Gefährt, das wir bisher nur einmal zum Starten anschieben mussten, noch eine Reifenpanne gehabt. Mitten in der Stadt Kaya lüftete ein Nagel unser linkes Hinterrad in Rekordzeit, was uns die Gelegenheit gab etwas zu Mittag zu essen, nachdem wir den Schlauch zum Flicken beim Mechnaiker gelassen hatten.
Santé, succès, argent, amour … Bonne année 2009!
Sonntag, 4. Januar 2009 | Nils Goldbeck | Keine Kommentare
Wir wünschen euch ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr! Auch hier in Burkina Faso wurde der Jahreswechsel ordentlich gefeiert – im Zivihaus fand eine lustige Silvesterparty statt.
Seit längerem schon hatten wir einigen unserer Freunde versprochen, bei uns im Zivi-Haus eine Silvesterparty zu machen und so haben wir um die 30 Leute eingeladen, mit uns ins neue Jahr zu feiern. Um die Kosten für das Fest durch die teuren Getränke nicht ins Unermessliche steigen zu lassen, hat unser Freund und MicroSow-Techniker Hamidou, der selber überhauptkeinen Alkohol trinkt, vorgeschlagen, mit uns zusammen Bissap-Wein zu machen. Das ginge ganz einfach, meinte er.
So haben wir auf dem Markt getrocknete Bissap-Blüten gekauft. Bissap ist eine Hibiskusart, deren Saft hier oft getrunken wird. Gefroren in kleinen Plastiktüten ist er eine sehr angenehme Erfrischung an heißen Tagen. Die Bissap-Blüten haben wir zwei Tage vor Silvester mit heißem Wasser übergossen und einen halben Tag ziehen lassen. Dann haben wir Trockenhefe, Vanillezucker, Annanasaroma und viel Zucker eingerührt, das ganze in einen 20-Liter-Kanister gefüllt und fest verschlossen. “Fertig”, meinte Hamidou und ließ uns alleine. Die böse Überraschung kam zwei Stunden später, als wir in die Küche kamen und der Kanister sich durch das beim Gährungsprozess entstandene Gas aufgebläht hatte! Aus einem kleinen Loch spritzte schon mit Hochdruck die tiefrote Flüssigkeit an unsere Küchenwand und der Kanister war kurz vorm Platzen. Es war zwar schon spät, aber glücklicherweise fanden wir in einer Boutique im Viertel noch einen neuen Kanister. Bis wir unseren Wein umgefüllt hatten, war unser Küchenboden allerdings schon mit 5 Litern Wein geflutet.
Am Silvesterabend hatten wir dann aber doch noch einen dreiviertel Kanister wirklich leckeren “Zivi-Wein”. Um diese Bezeichnung lässt sich zwar streiten, da die Flüssigkeit zwar wie Wein aussah und auch so ähnlich schmeckte, aber nicht mit Weintrauben gemacht wurde, sondern mit Hefe, aber trotzdem haben wir gleich mal ein Etikett für unser neues Produkt entworfen.
Dazu bereiteten wir dann noch Couscous zu und hatten Tantie vom Télécentre nebenan gebeten, uns einen großen Topf Sauce zu machen. Einige Gäste brachten dann noch Pizzaschnecken, Chips mit Salsa und kleine Biscuit-Kuchen mit und so war an dem Abend kulinarisch einiges geboten.
Unser Freund Lukas hatte sogar auf seinem Laptop “Dinner for One” mitgebracht, das wir dann ganz traditionsgemäß anschauen konnten. Um Mitternacht gingen wir alle auf die Straße und zählten – auf einer Uhr ohne Sekundenanzeige – den Countdown zum neuen Jahr. Ein großes Feuerwerk wie in Deutschland war am Nachthimmel über Ouagadougou natürlich nicht geboten, aber wir hatten ein paar Wunderkerzen und Kleinfeuerwerk. Später wurde noch bis in die Morgenstunden getanzt oder geplaudert und so ging unsere Neujahrsparty langsam zu Ende.
Frohe Weihnachten!
Mittwoch, 24. Dezember 2008 | Jan Sonntag | Keine Kommentare
Hallo liebe Leser,
wir wünschen euch ein frohes Weihnachtsfest!
Wir begehen Weihnachten dieses Jahr bei ungewohnten 30-35°, was uns aber nicht davon abhält ein wenig zu feiern! Gestern haben wir die kitschige kleine Plastiktanne aus dem Schrank gekramt, die praktischerweise auch schon wunderhübsch geschmückt war. Nur die Lichterkette und die Soundanimationen funktionieren leider nicht mehr. Am Abend kam dann AMPO-Zivi Lukas vorbei und hat mit Nils ein paar besinnliche Lieder gesungen. Und dank einer netten Oma, deren selbstgebackener Stollen die weite Reise unbeschadet überstanden hatte, hat sich der Abend dann doch ein bisschen wie der Abend vor Heiligabend angefühlt.
Heute haben wir uns einen wunderbaren Weihnachtsbrunch mit Kostbarkeiten wie Vollkornbrot, Schinken und Salami gemacht (an dieser Stelle noch einmal tausend Dank an Uwe). Später werden wir dann noch mit deutschen Freunden und beim Waisenhaus AMPO feiern. Die burkinischen Christen feiern Weihnachten erst am 25. – praktisch, denn so können wir zweimal feiern!
Im Gegensatz zu Europa sind die Straßen nicht schon seit Oktober im Weihnachtsanstrich, sondern erst seit etwa einer Woche, aber dennoch gibt sich alles erstaunlich weihnachtlich: die großen Boulevards sind mit Weihnachtsbeleuchtung dekoriert, Straßenhändler hängen aufblasbare Weihnachtsmänner zum Verkauf an Bäumen auf (sieht so grotesk aus wie es sich anhört), usw.
Ein frohes Fest und einen guten Rutsch wünschen
Nils und Jan
Jan und Nils sammeln heute den 583. Tag Afrika - Erfahrung
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