Gasteintrag
Ein erstes Hallo!
Montag, 5. Oktober 2009 | Stefan Haussner | Keine Kommentare
Nachdem wir ja eigentlich schon seit genau 2 Monaten in Ouagadougou sein und theoretisch schon Jan und Nils aus dem Land gejagt haben wollten, wollen wir uns nun endlich mal vorstellen. Leider immer noch von Deutschland aus.
Wir, das sind Marco Obrecht aus Stuttgart und Stefan Haußner aus Rösrath.
Wie auch bei unseren Vorgängern haben die Vorbereitungen auf unseren Dienst natürlich schon viel früher angefangen. Wir schrieben Ende November unsere Bewerbungen und wurden für Januar zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wenige Tage später erreichte uns der Anruf, dass wir die Glücklichen wären die für SEWA dieses Jahr nach Burkina reisen.
Es begann die Zeit des Kennenlernens, zunächst per Skype und Mail, im Mai dann aber auch persönlich auf dem internen Vorbereitungsseminar in München.
Dort lernten wir auch einige aktive Mitglieder von SEWA kennen, die uns möglichst viel von ihren Erfahrungen aus Burkina mit auf den Weg geben wollten. Wir bekamen schon einige Worst-Case-Stories erzählt, wurden aber auch immer wieder ermutigt, dass sich bisher jede SEWA-Generation verbessert hätte und dass das auch dieses Jahr so sein würde.
Aufgrund der großen Erfahrung die SEWA mittlerweile im Umgang mit Freiwilligen hat, fassten wir sehr schnell großes Vertrauen in die Organisation und freuten uns mehr und mehr auf unseren Abflug. Wir waren auch die erste Generation die Souleymane Sow, den Chef von SEWA Burkina und Microsow, schon vor ihrer Ankunft in Burkina kennen lernte.
Einen endgültigen Startschuss stellte dann das fid-Seminar im Juli dar. Wir verbrachten 10 Tage in Köln und besprachen mit 25 weiteren Freiwilligen aus den verschiedensten Organisationen und Ausreiseländern unzählige Themen die das Thema Freiwilligendienst betreffen. Uns wurde schnell klar, wie viel wir noch nicht wussten oder worüber wir uns noch gar keine Gedanken gemacht hatten, waren aber auch überrascht wie gut wir von SEWA vorbereitet worden waren und wir im Gegensatz zu vielen anderen unser Arbeitsfeld schon recht genau definieren konnten.
Nun waren noch die letzten Vorbereitungen zu treffen: Jan und Nils schickten uns eine Einkaufsliste mit Sachen, die wir in Ouaga evtl. könnten oder die für die Arbeit im Büro wichtig sind wie z.B. eine Festplatte oder DVD-Rohlinge.
Es hieß aber auch Abschied von Familie und Freunden zu nehmen. Es wurde also noch mal kräftig gefeiert während man in den letzten Wochen merkte, wie viel man doch vergessen hatte und was man noch erledigen musste.
Wir hatten schon angefangen zu packen als Philip anrief. Stefan war grade bei seinen Großeltern um sich zu verabschieden, als die Nachricht wie eine Bombe einschlug: „Scheiß Nachrichten. Ihr könnt nicht fliegen.“ Stefan rief Marco an der zunächst mal mit den Worten antwortete: „Alter, du verarscht mich!“. Nein, tat er nicht.
Nach einigen Telefonaten und Skype-Konferenzen war die Sache weitestgehend klar. Mindestens bis zur Bundestagswahl würden wir wohl nicht ausreisen können.
Jetzt begann erstmal die Zeit gekommen, in der wir viel Zeit hatten, denn soviel hatten wir uns für Deutschland nicht mehr vorgenommen.
Die Koffer wurden wieder ausgepackt oder voll auf dem Speicher verstaut.
Es vergingen einige Stichtage, an denen wir doch noch hofften auszureisen und jetzt warten wir immer noch zuversichtlich auf den 20. Oktober.
Wir beide sind immer noch überzeugt davon, unseren Dienst in Burkina Faso zu leisten und sitzen deshalb weiter trotzig auf unseren Koffern. Wir hatten beide auch schnell für uns entschieden unseren Dienst nur für SEWA zu machen, da uns beiden diese Organisation mittlerweile ans Herz gewachsen ist und das schon vor unserem intensivsten Jahr.
Wir hoffen bald frohe Neuigkeiten verbreiten zu können und baldige Blogeinträge auch aus Ouagadougou schreiben zu können.
Schöne Grüße
Marco und Stefan
Manche mögens heiß
Montag, 18. Mai 2009 | Jan Sonntag | 1 Kommentar
Um das Schulen- und das Krankenstationsprogramm auf weitere Provinzen Burkinas auszudehnen, unternahmen wir eine dreitägige Reise nach Dori, der Hauptstadt der Région du Sahel – mitten in der heißesten Zeit des Jahres.
Nachdem wir in einigen Provinzen bereits einen sehr guten Kontakt mit den Behörden pflegen, wollten wir auf dieser Reise die Schul- und Gesundheitsbehörden der Sahel-Provinzen treffen, in denen wir bisher noch nicht mit Projekten vertreten sind.
In jeder Provinz gibt es eine Schuldirektion, die der Direktion der Region unterstellt ist, die widerum dem Ministerium untersteht. Wir hatten das Glück bei unserem Besuch der Regionaldirektion gleich zu einem Treffen aller vier Provinzdirektoren und dem Regionaldirektor eingeladen zu werden, sodass wir unsere Organisation und die Projekte gleich in großer Runde vorstellen konnten. Ein guter Kontakt zu den Behörden hat für SEWA den Vorteil, einfacher mit den Schulen kommunizieren zu können, da die Schulen uns z.B. ihre Jahresberichte über die Schuldirektionen zukommen lassen können. Die Direktoren waren über die Unterstützung durch unsere Projekte natürlich sehr erfreut und sagten uns ihre Hilfe bei der Durchführung zu.
Die übrige Zeit verbrachten wir damit Schulen zu besuchen um dort zu erklären, wie sie von einer Installation profitieren können. Die Gegend um Dori gehört wie fast die gesamte Sahelregion zu den den ärmsten Burkinas, weshalb sich SEWA hier nun verstärkt engagieren will. Jetzt hoffen wir auf Bewerbungen von Schulen aus der Region, damit wir – sobald wir für die Projekte einen Spender gefunden haben – die Schulen mit Solaranlagen ausstatten können.
Eines der Dörfer, das wir besuchten, ist Bani, das weniger für seine große Grundschule als für seine Moscheen bekannt ist. Denn in dem Dorf stehen neun Moscheen, die alle nicht nach Mekka ausgerichet sind. So nutzten wir die Zeit nach dem Treffen mit der Schulgemeinschaft, um trotz der Hitze ein wenig durch das Dorf zu laufen und uns die beeindruckenden Moscheen aus Lehmziegeln anzusehen. Zum Glück haben wir uns an das burkinische Klima schon ganz gut gewöhnt und auch die 45° im heißen Norden machen uns nicht mehr allzu viel aus. Als wir uns jedoch später in dem Maquis (Restaurant / Café) des Dorfes erfrischen wollten, konnte man dort nichts als Bier bestellen! Weder Cola, noch einfaches Wasser wurde angeboten. In einem Dorf, in dem neun Moscheen stehen, staunten wir hierüber nicht schlecht!
Auf der Heimreise hat unser treues Gefährt, das wir bisher nur einmal zum Starten anschieben mussten, noch eine Reifenpanne gehabt. Mitten in der Stadt Kaya lüftete ein Nagel unser linkes Hinterrad in Rekordzeit, was uns die Gelegenheit gab etwas zu Mittag zu essen, nachdem wir den Schlauch zum Flicken beim Mechnaiker gelassen hatten.
Längste SEWA-Mission aller Zeiten absolviert!
Donnerstag, 9. April 2009 | Jan Sonntag | Keine Kommentare
Insgesamt neun Tage waren wir zusammen mit unserem Mitarbeiter Yéral und den MicroSow-Technikern Dimaz, Basil und Hamidou im Norden Burkinas unterwegs und haben dabei in fünf Schulen Solaranlagen installiert.
Es war nicht nur die längste Reise für uns beide, sondern auch die längste SEWA-Mission überhaupt: Neun Tage lang waren wir in der Provinz Soum unterwegs. In der Hauptstadt der Provinz, Djibo, hatten wir uns eine Art “Basislager” errichtet. Dort konnten wir bei Verwandten von Yéral übernachten und praktischerweise auch unser Material für die Solaranlagen zwsichenlagern. Von Djibo aus starteten wir dann unsere Touren in die Dörfer, in denen wir Schulen elektrifizieren wollten. Wir begannen in dem Dorf Firguindi, das nur 7 km von Djibo entfernt liegt. Die Techniker arbeiteten sehr konzentriert und hatten so schon am Abend die zwei Klassenräume elektrifiziert. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Bouro, dazu mussten wir etwa 40 km Richtung Norden fahren. Für diese Fahrt auf einer eher schlechten Sandpiste brauchten wir etwa zwei Stunden.
Daher konnten die Techniker die Installation der Solaranlage hier erst am nächsten Vormittag abschließen. Von Bouro ging es weiter in das 8 km entfernte Nachbardorf Nassoumbou. Auch in Nassoumbou verbrachten wir eine Nacht und am nächsten Tag machten wir uns gegen Mittag wieder auf den Weg nach Djibo. Nun fehlten nur noch die Schulen von Pougouzaibaogo und Noufoundou. Dort war aber jeweils nur eine Elektrifizierung von einem Klassenraum vorgesehen und dies konnte in “Tagesausflügen” erledigt werden. Ganz am Ende dieses Blogartikels ist unsere Reiseroute auf einer Karte eingezeichnet.
Die drei Techniker von MicroSow kann man für ihre Leistung auf dieser Reise eigentlich nur bewundern. Der März ist schon fast der heißeste Monat des Jahres, aber trotz 45 Grad im Schatten arbeiteten die drei jeden Tag routiniert und präzise von morgens bis abends. Wir gingen ihnen so gut es ging zur Hand, indem wir z.B. auch mal eine Lampenfassung installierten, das Gerüst aufbauten oder halfen, die Rahmen für die Paneele zu befestigen. Gerade auf dem Dach war die Arbeit besonders schweißtreibend, denn auf dem Alublech stellt sich in der prallen Sonne schnell das Gefühl ein in einer Bratpfanne zu stehen.
Aber auch für das SEWA-Team gab es genug zu tun: Wir photographierten und filmten nicht nur, um später eine Dokumentation des Projekts zu erstellen, sondern wir baten auch in jeder Schule alle Lehrer und Mitglieder der Elternorganisation zu einem Treffen, bei dem wir sie an die bereits getroffenen Vereinbarungen zur Wartung und Benutzung der Solaranlage erinnerten. In dieser Versammlung und auch in vielen Gesprächen versuchten wir die Schulgemeinschaft bestmöglich auf die Verantwortung, die sie für die Solaranlage übernehmen, vorzubereiten. Wir erklärten ihnen z.B., dass sie im Falle eines Defekts auf keinen Fall einen unqualifizierten Techniker aus dem Dorf an der teuren Solaranlageherumbasteln lassen dürfen, sondern lieber als erstes uns kontaktieren
sollen. Wir zeigten ihnen, wie man das Photovoltaikpaneel waschen muss, vorsichtig ohne Seife und mit viel Wasser, damit es nicht zerkratzt. Und um ihnen Ideen für die Nutzung der solaren Installation zu geben, erzählten wir ihnen, wie in anderen Schulen nicht nur die Schüler abends lernen, sondern auch Alphabetisierungskurse für Erwachsene angeboten werden oder gelegentlich die beleuchteten Räume für Hochzeiten vermietet werden, um Geld für die Wartungskasse einzunehmen.
Wir hatten uns entschieden, dass wir das Leben auf einem burkinischen Dorf noch einmal intensiver kennen lernen wollten, und hatten uns daher gegen Ende der Reise einen Kurzaufenthalt auf zwei Dörfern organisiert: Jan blieb nach der Elektrifizierung noch zwei Nächte in Pougouzaibaogo, Nils verbrachte einige Zeit in Noufoundou. Nicht nur für uns war es eine spannende Erfahrung, das Dorfleben noch einmal ganz anders kennen zu lernen, auch die Menschen in Pougouzaibaogo und Noufoundou zeigten viel Interesse an uns, auch wenn wir des öfteren an sprachliche Grenzen
stießen. Französisch wird auf dem Land kaum verstanden und unser Mooré und Fulfuldé ist eher unzureichend. Dennoch fand ein sehr interessanter Austausch statt und wir konnten noch ein völlig neuen Blick auf das Leben in Burkina werfen.
Wir erlebten, dass man zu den Menschen im Dorf auf eine ganz andere Art Beziehungen aufbaut, wenn man für einige Tage mit ihnen zusammen lebt und nicht nur mit einem Team für die Elektrifizierung der Schule gekommen ist.
Wir lernten, was es bedeutet, dass es z.B. in einem Dorf für 2 500 Menschen nur einen einzigen Brunnen gibt. Und nicht zu letzt war unser Aufenthalt auch für den Erfolg des Elektrifizierungsprojekts sehr hilfreich, da wir einfach viel mehr Zeit hatten, mit der Schulgemeinschaft über die neu installierte Solaranlage zu reden und evt. erst später auftauchende Fragen zu beantworten. Außerdem wurde die Beziehung der Verantwortlichen vor Ort zu SEWA sicherlich noch einmal gestärkt, dadurch dass sie von der rein “geschäftlichen” Verbindung auf eine persönliche Verbindung ausgeweitet wurde.
Am letzen Tag unserer Reise wurden wir noch mit einem ganz besonderen Spektakel belohnt: In Djibo fand ein Dohi-Festival statt. Dohi ist die traditionelle Musik des Peulh-Volkes und ist unmöglich mit Worten zu beschreiben. Zu dem Festival versammelten sich aber nicht nur verschiedene Peulh-Gruppen, sondern auch Touareg, die mit beeindruckenden Tänzen brillierten. Auch wenn wir dem eigentlichen Wettbewerb der Gruppen leider nicht mehr folgen konnten, war es doch ein interessanter Einblick in die Kultur der Volksstämme im Norden Burkinas, die wir noch kaum kennen.
carte postale: land
Samstag, 15. April 2006 | Denniz Dönmez | 1 Kommentar
Eine Überlandfahrt. Von Ouagadougou
aus hinter Koudougou liegt Dédougou.
Die anfänglich mit Bäumen gesäumten
Teerstrassen sind bald holprige Sand-
pisten. Immerhin schattig führen sie
in der heißesten Zeit des Landes
durch Felder, grau rot braun, auch
gelb, selten grün, abgesehen von den
reichen Kronen einiger Mangos. Kleine
Herden von Ziegen oder magere Kühe
kauen an vertrockneten Sträuchern.
Ab und zu steht ein Brunnen aus Lehm
umspielt von Kindern: leichte lachende
dicke staubige Bäuche. Oder noch
kleinere, in Tüchern auf den Rücken
der Frauen. Auf Fahrrädern oder zu Fuß
bringen die Krüge oder Brennholz nach
Hause. Unter einer Sonne stehen Höfe
wie kleine Siedlungen kilometerweit
gestreut: Festungen von Großfamilien.
Spitze Strohdächer über kreisrunden
Mauern aus Lehmsteinen. Die Vorrats-
hütten sind auf Pfosten gebaut.
Für Minuten das Land in rotem Licht,
bevor schwarze Nacht die Sterne weckt.
carte postale: marché
Sonntag, 2. April 2006 | Denniz Dönmez | Keine Kommentare
Nach zwei Wochen habe ich einen Alltag geschaffen.
Sprachbarrieren bröckeln beim Warten auf Couscous
und Kochbananen. Nachmittags auf dem Markt
tausend Hände die alles verkaufen.
Auf am Boden ausgebreiteten Tüchern
kunstvolle Stapel von exotischen Früchten,
Schalen voll Nüsse, Getreide, im Schatten Joghurt.
Auch Töpfe, Schuhe, Kosmetik,
auch Werkzeug, Geschirr, Rasierklingen.
Unter einfachen Strohdächern lagern Fische
aus einer anderen Welt. Kinder spielen mit alten Reifen
im Staub: Nassara, Nassara! Weißer.
Fahrräder bringen neue Kunden und Geschichten.
Ein Junge steht wie ein Torero, in beiden
Händen ein rotes Hemd: que payez-vous?
Zu schnell vergehen die Stunden im Markttreiben.
Zu schnell die Tage in Afrika.
Jan und Nils sammeln heute den 582. Tag Afrika - Erfahrung
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