Burkina Faso

Jans Rückkehr

Samstag, 29. August 2009 | Jan Sonntag | Keine Kommentare

Am 18. August hat Jan Burkina Faso verlassen und ist nach knapp 13 Monaten in Westafrika wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Eine kleine Geschichte eines schweren Abschieds und einer langen Reise.

Es sollte meine letzte Nacht in Ouaga werden. Nachdem ich die letzte Mücke unter meinem Moskitonetz erlegt hatte und mich hingelegt hatte, war die Müdigkeit des Tages verschwunden. Anstatt einschlafen zu können hörte ich mir ein letztes Mal die vertraute nächtliche Geräuschkullisse Somgandés an: Das dröhnende Wummern des Kraftwerks das vom anderen Ufer des großen Stausees herüberschallt, ab und an ein Motorrad und schließlich die Gesänge der Muezine, die die Gläubigen zum Gebet rufen. Ein gutes Jahr hatte ich nun in diesem Land verbracht, unzählige schöne, schwierige aber vor allem einmalige Momente erlebt. Und ich kann es nicht leugnen, ich bin ziemlich wehmütig geworden. Die neugewonnenen Freunde zurückzulassen ist mir nicht leicht gefallen.

Doch auch Burkina schien mich nicht so schnell loswerden zu wollen. Denn als mich am nächsten Abend meine Freunde und Kollegen an den Flughafen brachten und ich mich eigentlich schon von allen verabschiedet hatte, stellte sich heraus, dass mein Flieger in dieser Nacht nirgends hinfliegen würde: die marokanischen Piloten streikten. Stattdessen vertröstete man uns auf den nächsten Tag. Okay, also ab nach Hause, um eine allerletzte Nacht in Ouaga zu verbringen.

Der nächste Tag war ein wenig ulkig, da alle das Gefühl hatten Gespenster zu sehen wenn ich aufkreuzte. Der zweite Versuch in Ouaga abzufliegen begann wenig vielversprechend: Endlose Schlangen von Flugpassagieren, die durch den Streik schon mehr als 40 Stunden in Ouaga festsaßen, ließen alle Hoffnungen auf einen Platz im Flieger verschwinden. Nach einigen Stunden Wartezeit klappte es aber doch noch und mit knapp 19 Stunden Verspätung verließ ich Ouaga in Richtung Niamey, Casablanca und schließlich Frankfurt.

Schon auf der Landebahn des frankfurter Flughafens machte sich der erste kleine Kulturschock bemerkbar: Es war so viel los! Ich hatte ein Jahr in einer Stadt gelebt, in welcher der Flughfen in der Mitte der Stadt liegt, was aber niemanden stört, da am Tag sowieso nur etwa fünf Flieger landeten. In Frankfurt jedoch ein weitaus weniger gemächliches Bild: als ich die Landebahn hinuntersah konnte ich schon die nächsten vier Flugzeuge ausmachen, die sie anflogen. Auf dem Rollfeld eine Vielzahl an Fahrzeugen die in halsbrecherischem Tempo hin- und herdüsten. Kaum am Terminal angelangt fingen meine Landsleute an im Laufschritt zur Gepäckausgabe zu rennen, als würden ihnen ihre Koffer sonst weglaufen. An der Gepäckausgabe angekommen, begrüßt einen ein Monitor: “Ihr Gepäck kommt in 7 Minuten”. Zum ersten mal konnte ich so richtig nachfühlen, was Yéral meinte wenn er sagte “Jeder Europäer hat eine Armbanduhr aber nie Zeit.” Ja, Deutschland ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig nach mehr als einem Jahr in Westafrika.

Zum Abschluss möchte ich all meinen Unterstützern danken, die mir dieses Jahr ermöglicht haben: Allen, die mich mit Spenden und Rat unterstützten, den Aktiven von SEWA, Nils und Lukas und natürlich meinen Kollegen in Burkina. Danke auch an die zahlreichen fleißigen Blog-Leser, die uns durch ermutigende Nutzungsstatistiken immer wieder zu neuen Blogeinträgen angestachelt haben.
Das letzte Kapitel des ADABlogs ist aber hiermit noch lange nicht geschrieben: Wir werden versuchen, noch den ein oder anderen kurzen Artikel zu veröffentlichen und somit die Wartezeit zu überbrücken, bis dann im Oktober unsere Nachfolger Marco und Stefan anfangen können, aus Ouagadougou zu bloggen. Natürlich weiterhin hier auf dem ADABlog!

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Elektrifizierung von Yagance

Mittwoch, 15. Juli 2009 | Nils Goldbeck | 1 Kommentar

Im Juni konnten wir die Grundschule von Yagance elektrifizieren. Damit ist der wichtigste Meilenstein des Projekts “Licht für Yagance” erreicht, dass uns beide seit Beginn unserer Zeit bei SEWA begleitet hat.

Angefangen hat alles während unserer Vorbereitungsphase für den Freiwilligendienst in Burkina. Kurz nachdem wir im Januar 2008 die Zusagen für die ADA-Stellen bei SEWA erhalten hatten, machten wir uns daran Informationsmaterial, wie z.B. einen Flyer und eine Homepage, zu erstellen und Menschen in unserem Umfeld über die Projekte von SEWA zu informierten. So wollten wir die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins unterstützen und gleichzeitig Sponsoren für unseren Freiwilligendienst gewinnen. Rückblickend war dies auch die beste Vorbereitung auf unseren Einsatz in Burkina, denn dadurch, dass wir uns damit beschäftigten, wie wir Unterstützer für unseren Verein und unseren Freiwilligendienst gewinnen können, machten wir uns viele Gedanken über den Sinn der Arbeit von SEWA. Viele Leute stellten uns Fragen, wie z.B.: Was sind die Ziele von SEWA? Was macht die Projekte von SEWA nachhaltig? Warum macht es Sinn, dass deutsche Freiwillige für SEWA in Burkina arbeiten?

Während dieser Vorbereitungsphase wurde ich (Nils) auch aufmerksam auf ein Forum zum Thema “Elektrifizierungen im ländlichen Raum” an der Hochschule Ulm. Dort stellten einige Studentengruppen ihre Projekte vor und es gab verschiedene Podiumsdiskussionen. Durch Zufall traf ich bei diesem Forum auch Ilse Rüggenmann und Inossa Guene. Inossa Guene kommt aus dem Dorf Yagance in Burkina und die beiden waren zu dem Forum gekommen, um sich über Solarenergieprojekte zu informieren. Ich erzählte ihnen von dem Verein SEWA, von unserem Programm zur Elektrifizierung burkinischer Grundschulen und dass ich im Sommer 2008 meinen Freiwilligendienst bei SEWA beginnen würde. Ilse und Inossa waren sehr interessiert und nur kurze Zeit später wurde das Projekt “Licht für Yagance” ins Leben gerufen. Während Jan und ich schon nach Burkina gereist war, begannen Ilse und Inossa, Spenden für die Finanzierung einer Solaranlage in der Grundschule von Inossas Heimatdorf zu sammeln. Im Dezember 2008 kamen Ilse und Inossa zu Besuch nach Burkina und gemeinsam führten wir einen Vorbesuch in Yagance durch. Schließlich bereiteten wir alles für die Elektrifizierungsreise vor, die wir dann im Juni durchführten. Und nun haben wir auch endlich die Dokumentation für das Projekt fertiggestellt. Mehr Details über das Projekt “Licht für Yagance” finden Sie in dem Projektbericht. Ausserdem haben wir zu dem Projekt einen kurzen Film erstellt:

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Was macht ein Schädelknochen in einem burkinischen Klassenzimmer?

Mittwoch, 29. April 2009 | Nils Goldbeck | Keine Kommentare

Während unserer letzten Reise bemerkten wir in einer Schule, dass in jedem Klassenzimmer mehrere Schädelknochen von Ziegen und Schafen herumlagen. Wir fragten den Direktor der Schule, was es damit auf sich hat und er erzählte uns, wie er im Schulalltag mit einer kontrovers diskutierten Problematik im burkinischen Schulsystem umgeht: dem Sprachenkonflikt.

Im Norden Burkina Fasos liegt die Analphabetenquote bei den Erwachsenen in fast allen Dörfern bei über 90 %, die allermeisten Menschen sind nie zur Schule gegangen. Das bedeutet auch, das unter den Erwachsenen über 90 % entweder gar nicht oder nur äußerst bruchstückhaft Französisch sprechen. Die Muttersprache der Kinder auf den Dörfern ist daher entweder Mooré, Fulfuldé oder eine andere afrikanische Sprache und da sie auch äußerst selten Zugang zu Radio oder gar Fernsehen haben, spielt Französisch in ihrem Alltag so gut wie keine Rolle. Französisch ist jedoch in Burkina Faso seit der Unabhängigkeit des Landes 1960 die alleinige Amtssprache. Die Bildungspolitiker des Landes haben daher entschieden, dass in den Grundschulen des Landes ausschließlich auf Französisch gesprochen und gelehrt werden soll. Die Lehrer haben den klaren Auftrag, mit den Kindern von Anfang an Französisch zu sprechen und jegliche Kommunikation auf einer Stammessprache zu vermeiden.

Die burkinischen Grundschullehrer sind mit dieser Problematik alltäglich im Unterricht konfrontiert. Bei einem Schulbesuch in der Region Soum erzählt uns der Direktor einer Grundschule, auf welche Schwierigkeiten er stößt: “Wir haben hier nur drei Lehrer und viele, viele Schüler. In jeder Klasse sitzen über 50 Kinder. Die Lehrer sind völlig überfordert damit, die Schüler dazu zu bringen, auch untereinander Französisch zu reden. Französisch ist für sie eben eine Fremdsprache, sie fühlen sich nicht wohl damit.” Das erinnert uns stark an unsere Englisch- und Französischstunden am Gymnasium. Auch damals haben unsere Fremdsprachenlehrer oft vergeblich versucht, die Benutzung der deutschen Sprache im Unterricht so weit es geht zu vermeiden. Doch der Fremdsprachenunterricht war ja auf ein oder zwei Stunden am Tag begrenzt und außerdem waren wir schon älter. Von der ersten Klasse an jeden Tag pausenlos mit diesem Sprachenkonflikt konfrontiert zu werden? Für uns unvorstellbar.

In der Schule, die wir besuchten, wenden die Lehrer eine Erziehungsmethode an, mit der sich nach ihrer langjährigen Erfahrung das Sprachenproblem am besten bewältigen lässt: In jeder Klasse gibt es einige Schädelknochen von Ziegen und Schafen. Wenn ein Schüler während des Unterrichts in seiner Muttersprache redet, muss er sich einen solchen Schädel mit einer Schnur um den Hals hängen, als deutlich sichtbares Symbol dafür, dass er die Regel nur Französisch zu sprechen verletzt hat. Das ist laut dem Direktor eine sehr wirksame Strafe und macht es den Lehrern erheblich leichter, Französisch als Unterrichtssprache durchzusetzen. Offiziell ist diese Methode zwar verboten, aber zwischen dem Gesetz auf dem Papier und der Anwendung des Rechts in der Praxis liegen in Burkina eben Welten.

Es ist unserer Meinung nach durchaus verständlich, dass einige Lehrer in Burkina Faso diese verbotene Methode anwenden, da es für sie unter den gegebenen Umständen die einzige Möglichkeit ist, mit der sie ihren Lehrauftrag ausführen können. Dennoch muss man sich natürlich fragen, ob die Anwendung dieser moralisch durchaus fragwürdigen Methode gerechtfertigt ist. Ist es menschenwürdig, Kindern mit derartigen Mitteln zu zeigen, dass ihre Muttersprache im Teillebensraum Schule nichts mehr wert ist? Sie vor ihren Mitschülern so zu blamieren?

Auch in der burkinischen Bildungspolitik wird das Sprachenprolem sehr kontrovers diskutiert, wie uns unser Mooré-Lehrer und inzwischen auch guter Freund Abel erzählte, als wir uns neulich bei ihm zum Tee-Trinken trafen. Die Gegner des derzeitigen Systems weisen auf die Probleme im Alltag hin und auf den drohenden Verlust der Stammessprachen, die ja einen wertvollen Teil der Kultur darstellen. Die Befürworter argumentieren, dass die Verbreitung von Französisch eine essentielle Voraussetzung für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und damit für die Überwindung der Armut in Burkina Faso ist. Ausserdem sehen sie die französische Sprache als verbindendes Element der Vielzahl von Stämmen in Burkina. Abel, der an der Uni Ouagadougou Linguistik studiert, erzählte uns aber auch von einem Pilotprojekt von UNICEF, bei dem an einigen Schulen ein bilinguales Unterrichtsmodell getestet wird. Ein solches neues Grundschulmodell könnte die Sprachenproblematik vielleicht lösen. Doch der Weg dahin ist noch sehr weit und es ist fraglich, ob eine solch aufwändige Reform des Bildungssystems ohne weiteres durchgeführt werden kann. Vor kurzem erst wurde die Ausbildung der Grundschullehrer auf zwei Jahre verkürzt um Kosten einzusparen.

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Wie sieht Ouaga eigentlich aus?

Mittwoch, 22. April 2009 | Jan Sonntag | 3 Kommentare

Ja wie sieht sie eigentlich aus, die Hauptstadt Burkina Fasos, der Stützpunkt für SEWA Burkina, die neue Heimatstadt der Zivis? Ein kleines Video mit Eindrücken einer Motoradfahrt. Ganz ohne Kommentare.

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FESPACO 2009

Freitag, 6. März 2009 | Jan Sonntag | Keine Kommentare

Ouagadougou ist in diesen Tagen für Frunde des afrikanischen Films die Hauptstadt der Welt, denn es ist FESPACO. Dieses Jahr feiert das wichtigeste afrikanische Fimfest auch noch seinen 40. Geburtstag!

Und die Freunde des afrikanischen Films kommen in Scharen! Ouaga ist ungewöhnlich überlaufen von Weissen, die Hotels sind voll und so manche Straße kleidet sich mit einem roten Teppich. Eine Woche lang sind die afrikanischen und Nord-amerikanischen B-Pictures aus den Kinos verbannt, stattdessen laufen anspruchsvollere Filme aus der ganzen Welt, vor allem aber aus Afrika. Die tollsten Gerüchte kursieren in der Stadt, wenn man der Deutschen Welle glauben darf: Denzel Washington und Will Smith sollen sich die Ehre geben, ebenso wie Tiken Jah Fakoly, was allerdings schon wahrscheinlicher ist.

Die Kinosäle sind meist prall gefüllt, sodass wir uns oft mit Plätzen auf den Treppenstufen begnügen müssen. Schade sind allerdings die Eintrittspreise. Mit 1000 CFA (1,50 €) pro Kinokarte ist der Eintritt für die allermeisten Burkinabé recht teuer, was es nicht weiter verwunderlich macht, dass das Kinopublikum oft größtenteils weiß ist. Das wirft die Frage auf, ob ein solches Filmfest nicht auch dazu genutzt werden könnte, einer breiteren Masse, der sonst eher fragwürdige Filme im Fernsehen, Kino oder auf DVD zur Verfügung stehen, qualitativ hochwertige Filme näher zu bringen. Denn nach wie vor ist es so, dass die meisten guten afrikanischen Filme ihren Erfolg eher im europäischen Ausland feiern, während der heimische Markt in Schrottfilmen ertränkt wird.

Praktisch ist, dass die ganze Woche die Mittagspause entfällt und bis drei Uhr durchgearbeitet wird, damit man sich Nachmittags ins FESPACO-Vergnügen stürzen kann. Neben den Kinos locken nämlich noch Gratiskonzerte auf dem riesigen Place de la Nation und eine Handwerksmesse, die wie eine kleine Ausführung der SIAO anmutet.

Sicherlich ist die FESPACO auch ein Moment des Aufatmens für die Kinobesitzer. Denn seit DVD-Player so erschwinglich geworden sind, dass sie zur Grundausstattung einer jeden Bar gehören und man an jeder Strassenecke chinesische Raubkopien zu erschwinglichen Preisen bekommt, musste der grösste Teil der Kinos in der “Kinometropole” Ouagadougou schliessen. Mit dem Filmfest wird vielleicht wieder etwas Geld in die Kassen der Kinos gespült, wobei ich ehrlich gesagt aber nicht weiß, wieviel vom Eintritt tatsächlich an die Kinos geht.

Für uns ist die Fespaco auf jeden Fall ein riesiger Spass und eine tolle Abwechslung! Schön anzuschauen war auch die Eröffnungsfeier im Fussballstadion, die an eine kleine Olympia-Eröffnungsfeier erinnerte. Dazu haben wir auch ein kleines Video gedreht. Viel Spass beim ansehen!

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Jan und Nils sammeln heute den 582. Tag Afrika - Erfahrung

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