Elektrizität
Strom – ein Nachtrag
Donnerstag, 14. Mai 2009 | Jan Sonntag | Keine Kommentare
Nachdem wir in unserem letzten Eintrag über die wacklige Stromversorgung Ouagas berichtet haben, melden wir uns diesmal mit einem kleinen Update: wir haben den “Strom-Fahrplan” gefunden!
Eigentlich muss man ihn nicht lange suchen, denn er ist in jeder grösseren Tageszeitung zu finden. So wissen wir nun, dass wir Montags und Donnerstag den ganzen Vormittag, Mittwochs und Samstags den ganzen Nachmittag und Dienstag- und Freitagabends damit rechnen können, den Strom abgestellt zu bekommen.
Ganz Ouagadougou ist in drei Gruppen eingeteilt, in denen zu unterschiedlichen Zeiten der Strom ausfällt. Es muss aber nicht sein, dass der Strom dann auch tatsächlich weg ist, denn die Versorgung wird nur unterbrochen, wenn der Strom für die ganze Stadt nicht mehr reicht, weil der Verbrauch zu hoch ist. Man kann also auch Glück haben und ohne Ausfälle davonkommen.
Wer den Plan aufmerksam studiert wird feststellen, dass Sonntags in keiner der drei Gruppen eine Abschaltung vorgesehen ist. Das liegt daran, dass am Sonntag die großen Verbraucher wegfallen, nämlich die klimatisierten Büros der Ministerien, Banken und NROs, die sonntags geschlossen haben. Denn ist der Angestellte erst einmal daheim, muss er für seinen Stromverbrauch selbst aufkommen. Das Ergebnis: der Verbrauch sinkt, das Netz bleibt stabil.
Strom – ein knappes Gut
Montag, 4. Mai 2009 | Jan Sonntag | 3 Kommentare
Die beiden wichtigsten SEWA-Projekte drehen sich vereinfacht gesagt darum, Strom in ländliche Gebiete zu bringen. Doch auch in Ouagadougou ist die Stromversorgung äußerst labil.
Gerade jetzt, auf dem Gipfel der Trockenzeit lassen uns die Dieselgeneratoren aus den 60er Jahren, die Ouagadougou mit Strom versorgen, vermehrt im Stich. Denn nun ist der Verbrauch der Stadt besonders hoch: Jeder, der kann, stellt seine Klimaanlage oder seinen Ventilator auf volle Leistung. Das zum kühlen benötigte Wasser wird auch zunehmend knapp, die Anlagen können nicht auf Maximalleistung fahren. Der Strom reicht also nicht mehr aus um damit die ganze Stadt zu versorgen.
Deshalb wurde der Strom nun rationiert und eine Art “Fahrplan” für Elektrizität erstellt. Auf dem kann man nachlesen, wann welches Viertel Strom hat – und wann nicht. Nach ihm werden die Viertel “durchgeschaltet”. Montags gehen um 7.30 Uhr in Somgandé die Lichter aus. Bis 13 Uhr, dann gehen sie wieder an, dafür muss Dapoya die kommenden 6 Stunden ohne Strom auskommen. Dann Zogona, Cissin, Dasasgo, usw.
Schade ist nur, dass man nicht davon ausgehen kann, dass es zu allen anderen Zeiten durchgehend Strom gibt. Immer wieder fällt er aus, mal für ein paar Minuten, manchmal für mehrere Stunden.
Im Büro haben wir deshalb ein solares Backupsystem, das sofort anspringt, wenn die Spannung vom Netz abfällt. Das ist Fluch und Segen zugleich. Segen, weil “Stromausfall” nur noch selten gleichbedeutend mit “Datenverlust” ist und wir fast durchgehend problemlos arbeiten können. Fluch, weil der Deckenventilator nicht am Backupsystem hängt und wir im Büro ohne ihn fast verdunsten, wir aber trotzdem weiterarbeiten können und uns damit die Ausrede fehlt uns ins nächste Schwimmbad zu flüchten.
Strom fürs Zivihaus
Donnerstag, 9. Oktober 2008 | Jan Sonntag | Keine Kommentare
Eine kleine Episode aus dem Alltag in Burkina: wie komme ich an Strom?
Die meisten Haushalte, die in Burkina über Strom verfügen zahlen diesen mit einem Prepaid-System, so ähnlich wie wir dies aus Deutschland von bestimmten Mobilfunkanbietern kennen. So auch wir. Am Haus befindet sich ein Stromzähler, der anzeigt wieviel Kilowattstunden noch zur Verfügung stehen.
Neigt sich der “Kontostand” dem Ende zu, oder hat dieses schon länger erreicht, heißt es auf zur SONABEL, dem Stromanbieter. Ansonsten sitzt man im Dunkeln. Ohne Licht, Kühlschrank, Computer oder Deckenventilator. Und weil das keinen Spaß macht, nimmt man das Übel in Kauf, sich auf der SONABEL in kilometerlange Schlangen einzureihen, um schließlich unter Angabe der Zählernummer seinen Strom für die nächste Zeit zu bezahlen. Mit der Quittung gehts dann auf nach Hause, um den 20-stelligen (!) Code in den Zähler einzugeben. Et voilà: Energie!
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