Strasse

Es bewegt sich was in Ouaga

Samstag, 17. Juli 2010 | Jan Sonntag | 1 Kommentar

Wenn man nach einem knappen Jahr wieder in eine Stadt der Größe Ouagadougous zurückkehrt, hat sich dort natürlich einiges getan. Auf den ersten Blick ist zwar noch alles beim alten, doch wird an allen Ecken und Enden die städtebauliche Entwicklung vorangetrieben. Am meisten fallen dabei die neuen “échangeurs” auf, die Über-und Unterführungen an der großen Ringstraße, die Ouaga umschließt.

Ouaga 2000

Ouaga 2000

Noch vor einem Jahr gab es nur ein kleines “Autobahnkreuz”, und zwar in Ouaga 2000, dem neuen und etwas gigantisch anmutenden Nobel-Stadtviertel, das neben dem neuen Präsidentenpalast auch das beste Hotel der Stadt, diverse Botschaften, Unternehmen und Ministerien beherbergt. Das Kreuz verbindet den Ring mit der sechsspurigen Schnellstraße, die zum Präsidentenpalast und vorbei an dem riesigen Kreisverkehr am Place des héros nationaux führt- und an einer weiten unbebauten Fläche, die sich erst langsam beginnt mit Baustellen zu füllen. Wenn manchmal eine kleine Karawane aus Kamelen die Autobahn kreuzt, bringt das den starken Kontrast zwischen dem Leben in Ouaga 2000 und dem Rest des Landes gut auf den Punkt.

Neuer Echangeur Richtung Fada

Neuer Echangeur Richtung Fada

Inzwischen wurden zwei weitere solcher Kreuze (fast) fertiggestellt, die dazu dienen sollen, die Ringstraße mit den Straßen nach Fada N’Gourma (Osten) und Bobo-Dioulasso (Westen) zu verbinden, ohne dabei den Verkehr weiter zu verdichten.

Auch sonst wird viel gebaut: nach den Überschwemmungen vom letzten Jahr wurden die Brücken am Stausee renoviert, neue Brücken werden gebaut, Straßen betonniert, neue Viertel entstehen. So ändert dieses Stadt langsam aber stetig ihr Gesicht.
Es wird gebaut in OuagaBrueckenbauDer neue Echangeur im Westen

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Heimspiel in Djibo

Freitag, 9. Juli 2010 | Jan Sonntag | Keine Kommentare

Fünf Tage war ich mit dem Team in Djibo und Umgebung unterwegs um zwei Schulen und eine Krankenstation mit einer Solaranlge auszurüsten. Djibo ist die Hauptstadt der Provinz Soum im Norden des Landes, in der SEWA so viele Schulen in sein Programm aufgenommen hat wie in keiner anderen Provinz.

Das Dorf Pougouzaibaogo

Ein straffes Programm hatten wir uns für die Reise aufgestellt: In nur 5 Tage wollten wir in zwei Schulen und einer Krankenstation Solaranlagen montieren. Doch schon auf dem Weg nach Djbo war nicht klar, ob wir das schaffen würden. Noch auf der Teerstraße hatten wir die erste Panne, die wir zum Glück aber realtiv schnell beheben konnten. Aber die Sandpiste, die die letzten 100 Kilometer nach Djibo führt ist so schlecht, dass es teilweise schneller und sicherer war, einfach neben der Straße zu fahren. Mehr als 3 Stunden holperten wir mit dem schwer beladenen Minibus über Schlaglöcher und Wellblechpisten bis wir gut durchgeschüttelt unser Ziel erreichten. Von dort aus machten wir uns gleich weiter in das Dorf Pougouzaibaogo, in dem wir die ersten Arbeiten durchführen wollten.

Die frisch erweiterte Schule Pougouzaibaogo B...

Der klangvolle Name Pougouzaibaogo kommt dem ein oder anderem Leser vielleicht bekannt vor. Vor etwas mehr als einem Jahr installierten wir dort auf dem Dach der Schule “B” eine Solaranlage und ich nutzte die Gelegenheit um noch ein paar Tage allein auf dem Dorf zu bleiben um das Leben dort ein bißchen kennenzulernen und die ersten Tage mit der Anlage zu begleiten. So war es für mich natürlich etwas besonderes in das Dorf zurückzukehren und ich war um so erfreuter festzustellen, dass sich in der Zwischenzeit einiges getan hat in Pougouzaibaogo. Die Schule “B” wurde um 3 Klassenräume erweitert und hat nun einen eigenen Brunnen; Latrinen und Lehrerhäuser sind bereits in Bau.

...wird sogleich mit einem Solarpaneel versehen.

...wird sogleich mit einem Solarpaneel versehen.

Da es neben der nun vergrößerten Grundschule “B” noch die Schule “A”, sowie eine franko-arabsiche Schule und sechs kleinen Alphabetisierungszentren gibt, hat das Dorf einen Bedarf an beleuchteten Räumen, der die Kapazitäten des einzelnen beleuchteten Klassenzimmers der Schule “B” übersteigt. Deshalb entschied sich SEWA zum ersten Mal in der Geschichte des Schulenprogramms eine Anlage an einer Schule zu erweitern und eine weitere Schule im gleichen Dorf, wenngleich auch einige Kilometer entfernt, ebenfalls mit einer Anlage zu versehen. Bedarf und Engagement des Dorfes schienen diesen Schritt zu rechtfertigen. In den kommenden Jahren wird sich zeigen ob unsere Rechnung aufgeht. Denn die zusätzlichen Installationen dienen auch als Ansporn und sollen für das Engagement belohnen. Gleichzeitig soll es anderen Dörfern zeigen, dass sich gute Wartung und großes Engagement auszahlt.

Neugierige Kinder

Am zweiten Tag unserer Arbeiten in Pougouzaibaogo kam der Direktor der Schule B strahlend auf uns zu und berichtete uns, dass er gerade die Ergebnisse von den Abschlusstests bestätigt bekommen habe, die die Woche zuvor geschrieben wurden: Alle seine Schüler haben bestanden. Ein sehr gutes Ergebnis, das der Direktor darauf zurückführt, dass er seine Abschlussklasse in den Wochen zuvor bis spät abends in der Schule lernen ließ. Mit der Solaranlage wird das “internement” im nächsten Jahr noch sehr viel besser funktionnieren meint er, denn bisher mussten sich immer sechs Schüler um eine Petroleumlampe setzen, was die Augen stark ermüdet und einfach sehr unpraktisch und kostspielig ist.

Das CSPS Badnogo

Nachdem die Techniker die Installation erfolgreich abgeschlossen und Yéral und ich der Dorfgemeinschaft die Schlüssel zum Batteriekasten und damit symbolisch die Verantwortung für die Solaranlage übergeben hatten, machten wir uns auf den Weg ins Dorf Badnogo, das nur etwa zehn Kilometer von Djibo entfernt liegt. Strom gibt es hier keinen, dennoch ist die Krankenstation voll ausgelastet. Täglich kommen schwangere Frauen und Kranke aus Badnogo und den umliegenden in das so gennante CSPS um sich pflegen zu lassen. Besonders wichtig ist die Geburtenstation, die der Schwangeren weitaus bessere hygienische Bedingungen für eine Geburt anbietet, als die heimische Hütte,

Mit einer Taschen- und Petroleumlampe ist die Arbeit schwer

auch wenn man hier noch weit von europäischen Standards entfernt ist. Besonders wenn es zu Kompliaktionen kommt, ist es wichtig, dass geschultes Personal zur Stelle ist. Allerdings mussten die Angestellten der Krankenstationen nachts bisher bei beinahe völliger Dunkelheit arbeiten – lediglich eine Taschenlampe sorgte bei der Versorgung der Patienten für ein wenig Licht. Es beeindruckt mich nach wie vor jedes Mal, wenn mir eine Hebamme zeigt unter welchen Bedingungen sie arbeiten muss.

Die beleuchtete Krankenstation

Nach Abschluss der Elektrifizierung sieht die Situation jedoch bereits deutlich besser aus: Zwar erinnert das CSPS nach wie vor nicht im entferntesten an ein hochmodernes Krankenhaus, doch ist der Fortschritt durch das Licht wirklich beeindruckend. Vier 70 Watt Paneele sorgen nun für Licht in den Räumen der Geburten- und der Krankenstation. Außenlampen machen das CSPS auch nachts weithin sichtbar und beleuchten die freie Fläche um den Gebäudekomplex, sodass der Weg zur Station nachts nun leichter zu finden ist.

Als Dank schenkt man uns zwei junge Haehne

Bevor wir aber den Heimweg nach Ouagadougou antraten, besuchten wir noch die Schule von Gankouna, die uns eine Bitte um eine Solaranlage geschrieben hatte. Hier trafen wir uns nun mit den Lehrern und Elternvertretern, um zu besprechen, wie eine solche Elektrifizierung vorbereitet werden muss. Wir erklärten der versammelten Dorfgemeinschaft, dass wir im Gegenzug für die kostenlose Solaranlage das Engagement des Dorfes für ihre Nutzung, Sicherheit und Instandhaltung fordern. Nachdem alle Fragen geklärt werden konnten, unterzeichneten Direktor und Elternsprecher die Vereinabarung, die SEWA mit allen Schulen im Programm unterzeichnet. Damit ist der Weg geebnet für eine Elektrifizierung, sobald auf deutscher Seite ein Spender für die Schule gefunden wurde.

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Geschichte einer Straße

Montag, 20. Juli 2009 | Jan Sonntag | 4 Kommentare

In unserem Viertel Somgandé gibt es “die große Straße” (“la grande voie”), die von der Teerstraße Richtung Kaya ins Herz des Viertels, dem Markt, führt. An ihr liegen neben unserer Apotheke auch die Bäckerei, vor der es ständig nach frischem Baguette duftet. Diese Straße hat in den elf Monaten, die wir nun hier sind, derart häufig das Gesicht gewechselt, dass uns das einen Blogeintrag wert ist.

Ganz zu Beginn unserer Zeit wurde die Sandpiste frisch planiert, sodass sie richtig eben und dadurch sehr gut und zügig befahrbar war. Zu zügig befahrbar, fanden die Anwohner, die sich vom aufgewirbelten Staub der vorbeirauschenden Autos verständlicher Weise gestört fühlten. Sie halfen sich selbst und bauten so genannte “gendarmes couchés” (liegende Polizisten), kleine Schwellen, die Fahrzeuge zum Bremsen zwingen.
Das wiederum schien jemand anderem (vielleicht den reicheren Bewohnern des Viertels mit ihren schönen Autos?) nicht zu gefallen, denn nur wenige Wochen später wurde die Strasse erneut planiert. So konnten die Geländewägen wieder mit Tempo 70 durchs Viertel jagen.

Damit gaben sich die Anwohner aber nicht zufrieden, schließlich spielen am Straßenrand ja auch Kinder. Also verteilten sie auf der ganzen Piste fußballgroße Steine und Mauerreste, was die Straße für Autos quasi unpassierbar machte und alle Fahrad- und Mofafahrer zu einem Slalom-Parcours einlud (Bild). Wenige Tage später war die Piste wieder geräumt.

Doch die Anwohner ließen sich nicht unterkriegen und bauten die höchsten “gendarmes couchés” die Ouagadougou je gesehen hatte. Eigentlich konnte man nicht mehr von “liegenden Polizisten” reden, die standen nämlich ziemlich aufrecht mit einer Höhe von etwa 60cm. Sogar die Eselskarren scheiterten an ihnen. Die Strasse gab ein lustiges Bild ab: Alle 50 Meter sah man ein Auto oder einen Eselskarren, der sich mühte, über einen der Geschwindigkeitshügel drüber zu kommen.

Nun scheint das letzte Kapitel dieser Geschichte geschrieben zu worden. Seit einigen Wochen ist die Straße vollständig asphaltiert. Der “nouveau goudron” (die “neue Teerstraße”) ist sogar mit Straßenmarkierungen ausgestatet und zählt damit zu den besten der Stadt! Und so manch einer im Viertel munkelt, dass das etwas damit zu tun haben könnte, dass am Ende der Straße die Tochter des Präsidenten wohnt …

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