Goumsins Krankenstation beleuchtet
Montag, 26. Juli 2010 | von Jan Sonntag | Keine Kommentare
Im Dorf Goumsin konnten wir die vierte ländlich Krankenstation in der Geschichte SEWAs mit einer Solaranlage versehen.
Drei Tage verbrachte ich mit meinem Kollegen Yéral und den Technikern in dem gar nicht mal so kleinen Dorf, das sich etwa 70 Kilometer südwestlich von Ouagadougou und damit weit außerhalb der Reichweite des nationalen Stromnetzes benfindet.Die Geburten-und Krankenstation wurde erst vor knapp zwei Jahren fertiggestellt und sollte bereits damals von SEWA elektrifiziert werden, doch dauerte es noch eine ganze Weile, bis das so gennante CSPS voll funktionstüchtig war: Betten und Ausrüstung fehlten, das Personal wurde nicht rechtzeitig geschickt und das Dorfkommitee, das die Krankenstation leitet brauchte seine Zeit um sich zu organisieren. Um so größer war die Freude im Dorf, als die Arbeiten endlich beginnen konnten. Die Dorfältesten, die uns während der Installation immer wieder besuchten um uns den Dank des Dorfes auszudrücken, waren sichtlich begeistert.
Auch für mich war diese Elektrifizierung etwas besonderes. Der Vorbesuch in Goumsin war Nils’ und meine erste Reise für SEWA ohne die Begleitung unseres Vorgängers und so war auch ich ziemlich froh, nach so langer Zeit nun endlich mit der Umsetzung des Projektes fortfahren zu können. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Burkina Faso-Gruppe des Gymnasiums Fürstenried, die nicht nur die Finanzierung für dieses Projekt auf die Beine gestellt, sondern auch geduldig auf die Umsetzung gewartet hat ohne auf schnelle Ergebnisse zu bestehen, die die Qualität des Projektes unter Umständen gefährdet hätten. Vor allem aber das engagierte Personal der Krankenstation hat diese Elektrifizierung zu etwas besonderem gemacht. Es lag ihnen sehr am Herzen mir zu zeigen, wie und unter welchen Bedingungen sie arbeiten und so riefen sie mich zu fast jeder Behandlung im CSPS dazu. Zwar habe ich in meinem Leben schon einige Krankenstationen besucht und weiß dass die Bedingungen dort schwierig und das Leben auf dem Land hart ist, doch es ist etwas ganz anderes mit eigenen Augen zu sehen, was das konkret bedeutet. Der Hebamme zuzuhören wie sie sichtlich bewegt erzählt, dass sie einige Tage zuvor einer Frau nicht mehr helfen konnte als es nachts bei der Geburt zu Komplikationen kam und sie bei dem schwachen Licht ihrer Taschenlampe die Gefahr nicht rechtzeitig erkennen konnte um sie ins Provinzkrankenhaus bringen zu lassen. Da spürt man sehr direkt, warum das Projekt ins Leben gerufen wurde.Mit der Elektrifizierung von Goumsin ging meine vorerst letzte Elektrifizierungsreise zu Ende. Ich verabschiede mich also aus Burkina Faso, bedanke mich bei allen Lesern, und werde mich hoffentlich bald aus Deutschland mit einigen Videos der letzten Elektrifizierungen melden können.
Es bewegt sich was in Ouaga
Samstag, 17. Juli 2010 | von Jan Sonntag | 1 Kommentar
Wenn man nach einem knappen Jahr wieder in eine Stadt der Größe Ouagadougous zurückkehrt, hat sich dort natürlich einiges getan. Auf den ersten Blick ist zwar noch alles beim alten, doch wird an allen Ecken und Enden die städtebauliche Entwicklung vorangetrieben. Am meisten fallen dabei die neuen “échangeurs” auf, die Über-und Unterführungen an der großen Ringstraße, die Ouaga umschließt.
Noch vor einem Jahr gab es nur ein kleines “Autobahnkreuz”, und zwar in Ouaga 2000, dem neuen und etwas gigantisch anmutenden Nobel-Stadtviertel, das neben dem neuen Präsidentenpalast auch das beste Hotel der Stadt, diverse Botschaften, Unternehmen und Ministerien beherbergt. Das Kreuz verbindet den Ring mit der sechsspurigen Schnellstraße, die zum Präsidentenpalast und vorbei an dem riesigen Kreisverkehr am Place des héros nationaux führt- und an einer weiten unbebauten Fläche, die sich erst langsam beginnt mit Baustellen zu füllen. Wenn manchmal eine kleine Karawane aus Kamelen die Autobahn kreuzt, bringt das den starken Kontrast zwischen dem Leben in Ouaga 2000 und dem Rest des Landes gut auf den Punkt. Inzwischen wurden zwei weitere solcher Kreuze (fast) fertiggestellt, die dazu dienen sollen, die Ringstraße mit den Straßen nach Fada N’Gourma (Osten) und Bobo-Dioulasso (Westen) zu verbinden, ohne dabei den Verkehr weiter zu verdichten.Auch sonst wird viel gebaut: nach den Überschwemmungen vom letzten Jahr wurden die Brücken am Stausee renoviert, neue Brücken werden gebaut, Straßen betonniert, neue Viertel entstehen. So ändert dieses Stadt langsam aber stetig ihr Gesicht.



Heimspiel in Djibo
Freitag, 9. Juli 2010 | von Jan Sonntag | Keine Kommentare
Fünf Tage war ich mit dem Team in Djibo und Umgebung unterwegs um zwei Schulen und eine Krankenstation mit einer Solaranlge auszurüsten. Djibo ist die Hauptstadt der Provinz Soum im Norden des Landes, in der SEWA so viele Schulen in sein Programm aufgenommen hat wie in keiner anderen Provinz.
Ein straffes Programm hatten wir uns für die Reise aufgestellt: In nur 5 Tage wollten wir in zwei Schulen und einer Krankenstation Solaranlagen montieren. Doch schon auf dem Weg nach Djbo war nicht klar, ob wir das schaffen würden. Noch auf der Teerstraße hatten wir die erste Panne, die wir zum Glück aber realtiv schnell beheben konnten. Aber die Sandpiste, die die letzten 100 Kilometer nach Djibo führt ist so schlecht, dass es teilweise schneller und sicherer war, einfach neben der Straße zu fahren. Mehr als 3 Stunden holperten wir mit dem schwer beladenen Minibus über Schlaglöcher und Wellblechpisten bis wir gut durchgeschüttelt unser Ziel erreichten. Von dort aus machten wir uns gleich weiter in das Dorf Pougouzaibaogo, in dem wir die ersten Arbeiten durchführen wollten. Der klangvolle Name Pougouzaibaogo kommt dem ein oder anderem Leser vielleicht bekannt vor. Vor etwas mehr als einem Jahr installierten wir dort auf dem Dach der Schule “B” eine Solaranlage und ich nutzte die Gelegenheit um noch ein paar Tage allein auf dem Dorf zu bleiben um das Leben dort ein bißchen kennenzulernen und die ersten Tage mit der Anlage zu begleiten. So war es für mich natürlich etwas besonderes in das Dorf zurückzukehren und ich war um so erfreuter festzustellen, dass sich in der Zwischenzeit einiges getan hat in Pougouzaibaogo. Die Schule “B” wurde um 3 Klassenräume erweitert und hat nun einen eigenen Brunnen; Latrinen und Lehrerhäuser sind bereits in Bau. Da es neben der nun vergrößerten Grundschule “B” noch die Schule “A”, sowie eine franko-arabsiche Schule und sechs kleinen Alphabetisierungszentren gibt, hat das Dorf einen Bedarf an beleuchteten Räumen, der die Kapazitäten des einzelnen beleuchteten Klassenzimmers der Schule “B” übersteigt. Deshalb entschied sich SEWA zum ersten Mal in der Geschichte des Schulenprogramms eine Anlage an einer Schule zu erweitern und eine weitere Schule im gleichen Dorf, wenngleich auch einige Kilometer entfernt, ebenfalls mit einer Anlage zu versehen. Bedarf und Engagement des Dorfes schienen diesen Schritt zu rechtfertigen. In den kommenden Jahren wird sich zeigen ob unsere Rechnung aufgeht. Denn die zusätzlichen Installationen dienen auch als Ansporn und sollen für das Engagement belohnen. Gleichzeitig soll es anderen Dörfern zeigen, dass sich gute Wartung und großes Engagement auszahlt. Am zweiten Tag unserer Arbeiten in Pougouzaibaogo kam der Direktor der Schule B strahlend auf uns zu und berichtete uns, dass er gerade die Ergebnisse von den Abschlusstests bestätigt bekommen habe, die die Woche zuvor geschrieben wurden: Alle seine Schüler haben bestanden. Ein sehr gutes Ergebnis, das der Direktor darauf zurückführt, dass er seine Abschlussklasse in den Wochen zuvor bis spät abends in der Schule lernen ließ. Mit der Solaranlage wird das “internement” im nächsten Jahr noch sehr viel besser funktionnieren meint er, denn bisher mussten sich immer sechs Schüler um eine Petroleumlampe setzen, was die Augen stark ermüdet und einfach sehr unpraktisch und kostspielig ist. Nachdem die Techniker die Installation erfolgreich abgeschlossen und Yéral und ich der Dorfgemeinschaft die Schlüssel zum Batteriekasten und damit symbolisch die Verantwortung für die Solaranlage übergeben hatten, machten wir uns auf den Weg ins Dorf Badnogo, das nur etwa zehn Kilometer von Djibo entfernt liegt. Strom gibt es hier keinen, dennoch ist die Krankenstation voll ausgelastet. Täglich kommen schwangere Frauen und Kranke aus Badnogo und den umliegenden in das so gennante CSPS um sich pflegen zu lassen. Besonders wichtig ist die Geburtenstation, die der Schwangeren weitaus bessere hygienische Bedingungen für eine Geburt anbietet, als die heimische Hütte, auch wenn man hier noch weit von europäischen Standards entfernt ist. Besonders wenn es zu Kompliaktionen kommt, ist es wichtig, dass geschultes Personal zur Stelle ist. Allerdings mussten die Angestellten der Krankenstationen nachts bisher bei beinahe völliger Dunkelheit arbeiten – lediglich eine Taschenlampe sorgte bei der Versorgung der Patienten für ein wenig Licht. Es beeindruckt mich nach wie vor jedes Mal, wenn mir eine Hebamme zeigt unter welchen Bedingungen sie arbeiten muss. Nach Abschluss der Elektrifizierung sieht die Situation jedoch bereits deutlich besser aus: Zwar erinnert das CSPS nach wie vor nicht im entferntesten an ein hochmodernes Krankenhaus, doch ist der Fortschritt durch das Licht wirklich beeindruckend. Vier 70 Watt Paneele sorgen nun für Licht in den Räumen der Geburten- und der Krankenstation. Außenlampen machen das CSPS auch nachts weithin sichtbar und beleuchten die freie Fläche um den Gebäudekomplex, sodass der Weg zur Station nachts nun leichter zu finden ist. Bevor wir aber den Heimweg nach Ouagadougou antraten, besuchten wir noch die Schule von Gankouna, die uns eine Bitte um eine Solaranlage geschrieben hatte. Hier trafen wir uns nun mit den Lehrern und Elternvertretern, um zu besprechen, wie eine solche Elektrifizierung vorbereitet werden muss. Wir erklärten der versammelten Dorfgemeinschaft, dass wir im Gegenzug für die kostenlose Solaranlage das Engagement des Dorfes für ihre Nutzung, Sicherheit und Instandhaltung fordern. Nachdem alle Fragen geklärt werden konnten, unterzeichneten Direktor und Elternsprecher die Vereinabarung, die SEWA mit allen Schulen im Programm unterzeichnet. Damit ist der Weg geebnet für eine Elektrifizierung, sobald auf deutscher Seite ein Spender für die Schule gefunden wurde.Die Welt im Fußballfieber
Freitag, 2. Juli 2010 | von Jan Sonntag | Keine Kommentare
Nicht nur in Europa fesselt die Fußballweltmeisterschaft die Massen, auch hier in Burkina folgen alle gebannt den Spielen in Südafrika.
Die Weltmeisterschaft ist hier natürlich das Gesprächsthema Nummer Eins. Ob in Djibo, Ouahigouya oder Ouagadougou: Wenn die staatliche Rundfunkanstalt RTB die Spiele überträgt, versammelt man sich um die Fernsehre, sei es daheim mit Freunden und Familie, im Maquis (Kneipe) nebenan oder vor einer der Großbildleinwände in der Innenstadt. Unterstützt werden in erster Linie die afrikanischen Mannschaften, allen voran natürlich Ghana, Nachbarland und Hoffnungsträger weit über die Weltmeisterschaft hinaus. Wenn keine afrikanische Mannschaft auf dem Platz steht, feuert jeder nach persönlicher Sympathie eine der Mannschaften an. Der früh ausgeschiedenen französischen Nationalmannschaft hat dementsprechend auch kaum einer nachgetrauert – die alte Kolonialmacht genießt hierzulande nicht die größte Beliebtheit.
Die meisten Burkinabé die ich hier treffe sind dabei bestens über jeden Spieler dieser WM im Bilde. Kennen sie sich schon viel besser in der Bundesliga aus als ich (wobei ich als Fußballbanause wohl eine schlechte Referenz bin), trifft das noch mehr für die Nationalmannschaften zu, die bei dieser WM aufeinandertreffen. Umso überraschender ist deshalb die langweilige Debatte in der Halbzeitpause (das Netzer-Delling-Pendant), in der die Gäste kaum etwas Interessantes zu sagen wissen und die eher zu einer Werbeveranstaltung des Mobilfunkkonzerns wird, der die Sendung sponsert.
So verfolge also auch ich die WM, wenn ich nicht gerade auf Schuldächern stehe. Bisher habe ich aber noch keine Gelegenheit gehabt, eine der großen Leinwände in der Innenstadt aufzusuchen, sondern es bevorzugt, mich bei ein paar Freunden hier im Viertel vor den Fernseher zu setzen. Wenn wir nicht gerade gegen Ghana spielen, jubeln die auch mit mir, wenn Deutschland ein Tor schießt.
Solarenergie für Débéré Douman
Samstag, 26. Juni 2010 | von Jan Sonntag | Keine Kommentare
Meine erste Elektrifizierungsreise dieses Jahr führte das Team von SEWA und die Techniker der Firma MicroSow in das kleine Dorf Débéré Douman. Auf dem Dach der dortigen Grundschule konnte mit den Spenden des Hegel Gymnasiums Stuttgart eine Solaranlage installiert werden, die stark genug ist um zwei Klassenräume nach Einbruch der Dunkelheit zu beleuchten.
Nils, der vor ein paar Wochen ebenfalls Burkina ebenfalls einen (Kurz-)Besuch abgestattet hatte, hatte die Schule bereits besucht um die Schulgemeinschaft auf die Elektrifizierung vorzubereiten. Die Schule in Débéré Douman wurde uns von der Schulbehörde der Provinz ausdrücklich wegen des großen Engagements der Lehrer und Elternvertrer empfohlen. Nicht zuletzt deshalb dient sie außerdem als Pilotschule, d.h. an ihr werden neue pädagogische Konzepte getestet.
In der Tat machte das Dorf einen mehr als motivierten Eindruck. Als wir nach langer und etwas beschwerlicher Reise (eine gravierende Panne hatte uns gezwungen mitten auf dem Weg das Auto zu wechseln) Débéré Doumam erreichten, wurde wir bereits freudig erwartet. Während der ganzen Installation wichen uns die Elternvertrer nicht von der Seite. Auf ihre Schule sind die Bewohner des Dorfes sehr stolz: Regelmäßig zählen die Schüler aus Débéré Douman zu den Besten bei den Abschlusstests in der Region. Sie sind überzeugt, dass eine Solaranlage für die Schule nicht nur eine Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen bedeutet, sondern den Kindern auch langfristig dabei hilft sich in der Schule weiter zu verbessern.
Es war sehr interessant sich wieder einmal mit den Leuten vor Ort über das Thema Schule zu unterhalten. Die Elternvertreter müssen oftmals hart kämpfen um manche Dorfbewohner davon zu überzeugen ihre Kinder auf die Schule zu schicken. Man darf dabei nicht vergessen, dass der Großteil der Eltern selbst nie die Schule besucht hat und dadurch der Schulbesuch der Kinder alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Der Mann einer der Lehrerinnen erzählte mir traurige Geschichten von intelligenten jungen Mädchen, die verheiratet wurden anstatt sie weiter zur Schule zu schicken. Aber er erzählte mir auch, dass er sich von der Solaranlage eine gewisse Signalwirkung erhofft. In Débéré Douman ist die Grundschule nun das einzige Gebäude das über elektrisches Licht verfügt. Elektrisches Licht symbolisiert ein Stück weit Modernität und sozialen Aufstieg. Dies könne den engagierten Elternvertretern bei ihrer Sensibilisierungsarbeit helfen.
Die Installation selbst verlief gewohnt routiniert. Innerhalb kürzester Zeit verkabelten die Techniker der einheimischen Firma MicroSow zwei Klassenräume, montierten die Solarmodule, Lichtschalter und Lampen. Dieses Mal waren nicht nur die altgedienten Techniker dabei, sondern auch zwei junge Praktikanten, die so in der zukunftsträchtigen Solartechnik ausgebildet werden.
Gerade sind Ferien in Burkina Faso, doch wenn die Schule im Oktober wieder losgeht, können die Kinder schon von der neuen Anlage profitieren.


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